Warum schreibe ich überhaupt?

Jedenfalls bestimmt nicht, weil ich es gerne tue!

Auch nicht, weil ich über so angenehme Sachen schreibe, oder mein Leben dadurch schöner wird.
Dazu wäre ich auch zu faul.

Die Wahrheit ist, ich schreibe überhaupt gar nicht gerne.

Das einzige, was ich noch schlimmer finden würde, wäre, wenn niemand die Dinge schreibt, die ich schreibe. Und nur diese Dinge schreibe ich.

Vielleicht schreibe ich auch einen Haufen Sachen, die viele Andere schon geschrieben haben, ich habe es nur nicht mitgekriegt. Naja, wo gehobelt wird, da fallen Späne. Würde ich versuchen, wirklich alles mitzukriegen, würde ich nichtmal das bißchen schreiben, was ich zu schreiben schaffe, und das würde dann eventuell auch noch ungeschrieben bleiben.

Ich will nicht in einer Welt leben, in der ich die einzige Peson bin, die so denkt wie ich. Und weil andere scheinbar nicht von selber so denken wie ich, versuche ich eben nachzuhelfen. Ich muß auch nicht unbedingt in einer Welt leben, in der alle genauso denken wie ich, im Gegenteil: Ich will in einer Welt leben, in der auch über Sachen nachgedacht wird, auf die ich nie kommen würde oder für die ich keine Zeit habe etc.

Ich schreibe Dinge, die in der Welt gedacht werden sollen, in der ich leben will, und zwar nicht alleine von mir. So.

Womöglich denken die meisten Leute sowieso genauso wie ich, und verraten es nur nicht. Weil bloß niemand drüber spricht.

Gut, dann spreche ich eben drüber.

Vor Jahren im Radio, im Winter: Die HörerInnen sollen anrufen, und erzählen, was sie machen, wenn das Auto sich im Schnee festgefahren hat.

Es gibt zum Beispiel den Trick, die Fußmatten aus dem Innenraum unter die durchdrehenden Reifen zu legen.

Diejenigen, die den Trick kennen, sind noch nie auf die Idee gekommen, ihn weiterzuerzählen, weil sie denken, daß alle ihn kennen. Aber nur die Hälfte der Leute kennt ihn.

Dann stellt sich heraus, daß nur diejenigen den Trick kennen, die im Winter ihren Führerschein gemacht haben. Alle anderen erfahren nie von dem Trick, weil diejenigen, die ihn kennen, glauben, daß alle ihn kennen.

Manchmal denke ich, daß die Sachen, die ich schreibe, auch diese Eigenschaft haben. Sie sind vielleicht gar nichts besonderes, aber sie müssen mal gesagt werden, damit alle sie kennen (können), und nicht nur diejenigen, die nie auf die Idee kommen würden, sie weiterzusagen.

Eine Fleißarbeit.

Stockphoto: Ein gelbes Quietscheentchen sitzt auf einem Fensterbrett. Gegenüber sieht man die Ziegelmauer eines mehrstöckigen Gebäudes.

Dieser Text ist im Rahmen der Blogparade zum Thema Schreiben von Bloggerkollegin Madameflamusse entstanden.

Gib deine E-Mail-Adresse ein, um diesem Blog zu folgen und per E-Mail Benachrichtigungen über neue Beiträge zu erhalten.

Zu einem Konflikt gehören zwei

Dieser Unsinn ist ebenso weit verbreitet wie destruktiv.

Ich bin viel zu nett dafür, ansonsten würde ich jedesmal eine kleine Vorführung machen, wenn ich mit dem Quatsch konfrontiert bin:

„Christel, zu einem Konflikt gehören immer zwei. Mach einfach nicht mehr mit, steig aus, dann ist es gut.“

„Du meinst, ich kann nicht einseitig entscheiden, daß ich jetzt sofort einen Konflikt mit Dir will, weil Du machst einfach nicht mit?“

„Genau.“

[Ich hau der Person eine rein. (Das ist der Teil, wo ich in Wirklichkeit zu nett zu bin.)]

Jetzt hat die Person verschiedene Möglichkeiten. Sie kann mir auch eine reinhauen, oder sie kann den Konflikt auf eine Weise führen, die geeignet ist, ihn möglichst schnell zu beenden, oder sie kann, um ihre erste Behauptung zu beweisen, gar nichts machen. In dem Fall muß sie den Konflikt eben internalisieren*, wovon er gerade nicht weggeht. In dem Fall könnte ich ihr gleich noch eine reinhauen. (Wenn ich dafür arschig genug wäre.)

Allerdings: Die zweite Möglichkeit, nämlich, den Konflikt so zu führen, daß er möglichst beendet wird, erfordert, daß die Person stärker und / oder schlauer und / oder entschlossener ist und / oder mehr Rückhalt hat als ich.

Ich will ja unbedingt einen Konflikt erzwingen, um zu beweisen, daß das auch ganz einseitig geht, und wenn die andere Partei den Konflikt unbedingt beenden will, haben wir in dieser Frage einen Konflikt. Hehe.

Comic: Eine Strich-Person beklagt sich: "Ich bin immer viel zu lieb zu allen... Zum Dank krieg ich nichts als Arschtritte." Eine weitere Strichperson fordert: "Gib mir 10 Euro!" - "Bitteschön." - "Rumdrehen." - Die zweite Strich-Person tritt der ersten in den Hintern und sagt "Dankeschön!" Die erste sagt "Gern geschehen."
Comic von islieb.de, Lizenz

Man kann also durchaus einseitig beschließen, daß man jetzt einen Konflikt haben will, und das auch so durchziehen und jemandem aufzwingen. Idealerweise sucht man sich dabei jemand, die entweder schwächer ist oder die man durch die eigenen Angriffe so schwächen kann, daß man damit durchkommt.

Ideal ist es, wenn die Umgebung dieser Person eine Mitschuld gibt, und das Dogma vertritt, daß an einem Konflikt immer zwei schuld sind, und daß man aus einen Konflikt einseitig aussteigen kann, und diese Rolle, aus dem Konflikt auszusteigen, ihr zuweist.

Und das ist noch nicht alles.

Wenn ich jetzt jemandem eine reingehauen habe, einer Person, die mir gar nichts getan hat, dann heißt das noch lange nicht, daß ich deswegen jetzt etwa bereit bin, als Bösewicht zu gelten. Ich werde mir irgendwelche Gründe suchen, wieso die böse Person mich gemeinerweise praktisch gezwungen hat, ihr eine reinzuhauen. Ich werde ihre Glaubwürdigkeit untergraben, denn daß sie in dieser Sache anderer Meinung ist als ich, zeigt ja schon, daß sie ganz schön durchgeknallt ist und einen völlig unrealistischen Blick auf die Sache hat.

Wenn sie womöglich so dreist ist und „Aua“ sagt, dann unterstellt sie mir damit ja quasi, daß ich ihr wehgetan hätte, und das ist doch wirklich das Allerletzte, das kann ich mir auf keinen Fall bieten lassen. Und wenn sie bei Dritten Unterstützung sucht, dann ist das ein fieses Manöver, um mich zu isolieren, sie redet hinter meinem Rücken über mich, obwohl man mit mir nun doch wirklich alles besprechen kann. Ich bin so nett!

Wenn ich also jemandem eine reingehauen habe, aber nicht bereit bin, entsprechend als Arschloch zu gelten, ergibt sich ein wichtiger Grund, weiter auf der Person rumzuhacken, eine einseitige Gewaltspirale.

Und wenn die Person überhaupt zu erkennen gibt, daß ihr da irgendwas nicht paßt, das ist ein starker Moment. In dem Moment muß ich nachtreten, wenn ich das nicht eh schon prophylaktisch getan habe.
Das kann leicht umgedeutet werden, um der Person eine Mitschuld zuzuweisen. Wenn ich gefragt werde, ob ich einen Konflikt mit der Person habe, werde ich auch sagen: „Nein, wie kommst Du da bloß drauf?“
Wenn die andere Partei jetzt sagt, „Nee, so kann das nicht laufen“ oder „Aua“ oder „Warum hast Du mich jetzt gehauen“ oder was Ähnliches, dann benennt sie den Konflikt, und wird dafür sofort bestraft, was ja bloß deswegen ist, weil sie solche Sachen sagt.

Ein weiteres Moment, welches eine solche einseitige Spirale befeuert, ist, daß ich ja jetzt Angst haben muß, daß die Person womöglich zurückschlägt. Gleichzeitig halte ich daran fest, daß ich ja nix Schlimmes gemacht habe. Die Angst schwebt also frei, und ein richtiger Grund fehlt. Naja, wenn diese Person mir so Angst macht, dann muß sie ja ziemlich fies sein.

Stockphoto: Ein ei in einem Eierbecher, darüber ein riesiger Holzhammer, der Ei und Becher gleich zermanschen wird.

Und genau deswegen haben Rassisten so wahnsinnig Angst vor Geflüchteten, und Sexisten haben so Angst vor Frauen, und Antisemiten haben so Angst vor jüdischen Menschen. Es ist das eigene projizierte Unrechtsbewußtsein. Und deswegen gibt es auch keinen rationalen Umgang mit diesen Ängsten und keinen Realitätscheck.

Eine Gewaltpirale gilt aber auch als etwas, was von zwei Seiten ausgeht und dadurch entsteht, daß jede Seite jedes Mal noch doller zurückhaut.
Das mag es auch geben, habe ich aber im richtigen Leben noch nie gesehen. Ich halte das für reine Ideologie.

Und Machtverhältnisse existieren in dieser Ideologie schon gar nicht.

Im richtigen Leben sieht man kaum ein vollkommenes Machtgleichgewicht, und selbst wenn es das gäbe, würde es sich ja mit jeder Interaktion verändern. Und einen Konflikt vom Zaun zu brechen ist ein mögliches Mittel dazu.

Und Macht bedeutet auch, daß ich es mir leisten kann, einen Konflikt zu erzwingen, weil mir dabei weniger passieren kann als der anderen Partei, und weil ich auch eher damit durchkomme, der anderen Partei die Schuld in die Schuhe zu schieben.

Jetzt kann man natürlich einwenden, daß bei realen Konflikten meist beide Seiten einen Konflikt wollen oder zumindest billigend in Kauf nehmen. Das ist aber nicht die Formulierung, sondern die Formulierung ist, daß beide Seiten zu einem Konflikt beitragen.

Und das ist auch kein Wunder, denn die Mittel, die die meisten Menschen besitzen, um mit unterschiedlichen Interessen und unvereinbaren Zielen klarzukommen, sind, gelinde gesagt, begrenzt.

Gesprächsführungskompetenz wird geradezu auf bösartige Weise vernachlässigt, niemand fühlt sich berufen, dazuzulernen, schon gar nicht, wenn es gerade keinen akuten Konflikt gibt, obwohl das der günstigste Zeitpunkt wäre.

Und wenn es soweit ist, sind die Methoden, damit umzugehen, anti-emanzipatorisch und manipulativ. Das letzte, worum es dabei geht, ist, den Konfliktparteien ein Meta-Wissen über Konflikte mitzugeben, sondern sie sollen das Wissen anderer anwenden, ohne in den Genuß zu kommen, es sich anzueignen oder gar kritisch zu hinterfragen.

Kein Wunder, daß die Person, die in meinem Beispiel eine so üble Behandlung erfährt, manchmal den Konflikt noch anheizt, indem sie völlig ungeeignete Mittel einsetzt, um damit umzugehen.

Und wenn man mit einbezieht, daß es auch sehr von der Umgebung abhängt, wie sich ein Konflikt entwickelt, dann schlägt die weit verbreitete Unwissenheit in Multiplikation zu Buche.

Mit Sicherheit entstehen Konflikte auch allein deshalb, weil die Beteiligten zu dämlich sind nie gelernt haben, mit unterschiedlichen Zielen, Interessen, Wertvorstellungen umzugehen.

Comic: "Zwei Döner bitte." - "Für mich mit Schafskäse." - "Bist Du einer von DENEN?!?" - "Ich esse kein Fleisch, falls du das meinst." - "Och NÖ! Ich versteh schon. Die ARMEN Tiere. Wir Fleischesser sind MÖRDER und ihr seid was Besseres. Und von Fleisch kriegt man Krebs & Bananen machen unsterblich. Ja nee, is klar. Veruch nicht, mich zu bkehren. Is der Kreislauf des Lebens, also komm mir nicht mit Moralkeulen. Weißte was? Lassen wir das Thema. Ihr Veggies fangt da jedes Mal Streit an... schlimm."
Comic von islieb.de, Lizenz

Und diese Konflikte sind es, die man bearbeiten kann, indem man den Beteiligten verklickert, daß zu einem Konflikt zwei dazugehören. Bei allen anderen tut man damit einer Partei schweres Unrecht.

Wieso also ein Bild von Konflikten verbreiten, welches automatisch dazu führt, daß man in vielen Fällen einer Konfliktpartei Unrecht tut?

Oh, es gibt dafür Gründe.

Denn wenn ich jetzt jemand wäre, die andere schlägt, bloß um zu beweisen, daß man Konflikte auch einseitig erzwingen kann, dann würde man ja besser einen großen Bogen um mich machen. Da hätte dann auch keine mehr Bock, sich mit mir auseinanderzusetzen, und es schiene irgendwie eher opportun, sich auf die andere Person zu konzentrieren, die ja auch eher ein Interesse hätte als ich, den Konflikt zu beenden, in welchem sie ja ehrlich gesagt ziemlich die Arschkarte hat.

Und wenn man jetzt so einer Person zu verklickern versucht, daß sie andere nicht zu schlagen hat, dann würde man ja womöglich selber auch noch was abkriegen! Das geht nun wirklich nicht.

Mit anderen Worten: Man macht es sich leicht, weicht einem eigenen Engagement aus und streckt nicht den Kopf raus.

(Ich kenne das von mir selbst, sonst würde ich nie kapieren, wie es dazu kommt.)

Wo es so einfach wäre, diesen Blubbs durch einen zu ersetzen, der präziser ist und diesen Nachteil nicht hat: Zum Frieden halten gehören zwei. Mit Interessengegensätzen konstruktiv umzugehen, dazu gehören zwei.

Das kann die Person nicht alleine, die ich in dem Beispiel geschlagen habe.

Das kann man auch mal an einem realen Beispiel durchspielen: Im Jobcenter, und auch außerhalb davon, gelte ich als eine, die „auf Konflikt geht“.
(Wenn es darum geht, jemandem eins reinzuwürgen und der Person die Schuld daran zuzuweisen, geht das nämlich plötzlich ohne Weiteres, daß eine Person einseitig einen Konflikt erzeugt.)

In dieser Situation sehe ich zwei mögliche Richtungen, um mich mit dieser Behauptung auseinanderzusetzen: Ich kann hinterfragen, von wem der Konflikt ausgeht, oder ich kann behaupten, daß keine Partei alleine einen Konflikt erzeugen kann und da zwei Seiten dran beteiligt sind.

Würde ich sagen: „Moment mal, zu einem Konflikt gehören zwei, das Jobcenter ist auch beteiligt!“ hätte ich womöglich Chancen, irgendwen dafür zu interessieren, weil der Blubbs so weit verbreitet ist.

Ich müßte bloß die Sache verzerrt darstellen und so tun, als wäre ich selbst zu gleichen Teilen mit schuld an der Situation, ich müßte es anerkennen, daß es der Job des Jobcenters ist, meine Grundrechte zu beschneiden, und darauf verzichten, diesen Konflikt um meine Grundrechte zu benennen oder gar auszutragen, der vom Jobcenter an mich herangetragen wird.

(Überraschung, genau das wollte das Jobcenter von mir, in Form einer Mediation statt eines Gerichtsverfahrens, und wurde darin vom Sozialgericht unterstützt. Und da ich lieber Rechte wollte, bin ich jetzt erst recht an allem schuld, weil ich ja keine Mediation wollte.)

In Wirklichkeit ist das aber nicht die Funktion der Behauptung, daß zu einem Konflikt zwei gehören, sondern die Funktion ist im Gegenteil: Der Blubbs soll legitimieren, daß man sich eine Konfliktpartei aussuchen kann, opportunerweise natürlich die Schwächere, der man dann zuweist, daß sie den Konflikt einseitig beilegen muß, weil die andere Seite schließlich nicht ohne deren Mithilfe einen Konflikt haben kann.

Stockphoto: Ein Schachbrett mit ein paar weißen und schwarzen Figuren

Im ersten Fall, wenn ich also sage, daß das Jobcenter mir einen Konflikt aufzwingt, auf dieselbe Weise, wie es das auch mit allen anderen macht, müßte ich eine Menge Leute, die vom Jobcenter routinemäßig bedroht und in ihren Lebensmöglichkeiten und Grundrechten angegriffen werden, davon überzeugen, dies als Angriff wahrzunehmen und sich selbst als angegriffen und relativ machtlos.

Außerdem müßte ich sie überzeugen, daß sie andere Menschen an der Repression des Jobcenters leiden sehen und nicht daran, daß diese sich selber ungeschickt verhalten und damit diese Repression selbst erzeugen. Gegen das eine kann man als dritte Partei wenig machen, gegen das andere vermeintlich schon. So wird an die Betroffenen hingearbeitet, statt sie in einem Konflikt zu unterstützen, den sie gar nicht haben wollen, der ihnen aber aufgezwungen wird.

Ich habe mal darüber geschrieben, auf welcher Eskalationsstufe das Jobcenter schon von vorneherein einsteigt, lest das mal.

Wenn jetzt die im Jobcenter mit dem Finger auf mich zeigen und behaupten, ich sei es, die „auf Konflikt geht“, ist das eine Sache. Eine ganz andere ist es, wenn das auch außerhalb des Jobcenters unter Erwerbslosen so läuft. Auf diese Art ist es gar nicht möglich, zu erfassen, was überhaupt Sache ist, geschweige denn, sich sinnvoll damit auseinanderzusetzen.

Daß es auf ganz breiter Front gar nicht möglich ist, offen zu besprechen, daß die Jobcenter die Erwerbslosen in ihren grundlegendsten Bedürfnissen und Rechten angreifen und so Konflikte erzwingen, ist ein Faktor, der dies ermöglicht.

Früher hätte man gesagt, Erwerbslose seien „nicht satisfaktionsfähig“.

Und das erinnert mich an eine andere Sache, die ich letztens erlebt habe.

Ich habe an einer Blogparade teilgenommen, sie hieß „Schreiben gegen Rechts“. Die gut 80 Beiträge hat die Initiatorin dann in einem Ebook zusammengefaßt.

Ein nicht unerheblicher Teil der Beiträge befaßte sich überhaupt nicht mit Rechtsextremismus oder Rassismus, sondern mit Geflüchteten.

Es ist auch überhaupt nichts dagegen einzuwenden, wenn man darüber schreibt, wie konkret mit Geflüchteten und mit Menschen überhaupt umzugehen ist. Oder über das große ehrenamtliche Engagement.

Was mir aber aufgefallen ist, daß das alles als „gegen Rechts“ eingeordnet wurde. Als würde man einen zweiseitigen Konflikt implizieren, welchen man bearbeitet, indem man irgendwie mit der einen Konfliktpartei zu tun hat und dieser irgendwas Gutes tut. In denjenigen Beiträgen, auf die ich mich beziehe, sind überhaupt keine rechten Gruppen, Personen oder Einstellungen vorgekommen.

Das hat auch niemand kommentiert.

Es hat jetzt auch niemand davon gesprochen, daß zu einem Konflikt zwei gehören oder so.

Aber wenn Leute angegriffen werden, und man sich damit auseinandersetzt („gegen Rechts“), indem man den Angriff und die Angreifer völlig ignoriert und an diejenigen irgenwie hinarbeitet, die angegriffen werden, sehe ich ein Muster.

Die Frage, was man jetzt mit dem Thema Rechtsterrorismus machen soll, wird dabei nichtmal gestreift.

Sich eingraben und auf die Alliierten warten? Das kann noch ne Weile dauern.

Es ist richtig, sich für Geflüchtete zu engagieren. Es ist aber eine Projektion, an Geflüchteten eine Ersatzbefriedigung für ein eigenes Engagement gegen Rechts abzuarbeiten. Geflüchtete werden zum Ziel rechter Gewalt und von Rassismus, übrigens auch durch den Staat, wenn es um die Gesetzgebung geht, um Abschiebungen und internationale Kuhhändel.

Und wer Geflüchtete dagegen in Schutz nehmen will, oder wer gar aus Eigenem etwas gegen Rechtsextremismus hat, hat in der Sache einen Konflikt mit Rechtsextremen und mit der Bundesregierung.

Und dazu, selber anzuerkennen, daß man in einem Konflikt steht, sind offenbar viele nicht bereit. Buchstäblich um’s Verrecken nicht. Solange andere verrecken.

Zusammenfassung: Einen Konflikt kann man auch einseitig erzwingen, zum Frieden machen gehören immer zwei. Eigentlich drei, denn die Umgebung spielt eine große Rolle.

——-
* Den Konflikt zu internalisieren, bedeutet in dem Fall, daß die Person Streß mit sich selber hat, weil sie sich von mir hat schlagen lassen. Der Konflikt ist nicht verschwunden, sondern hat sich in die Innenwelt der angegriffenen Person verlagert, wo sie ihn mit sich selbst ausfechten kann.

Update: Twitter sagt es natürlich wieder viel kürzer

Gib deine E-Mail-Adresse ein, um diesem Blog zu folgen und per E-Mail Benachrichtigungen über neue Beiträge zu erhalten.

Krieg, Öl, Geld: Bundesregierung schweigt zu #Erdogan, aber wieso?

Erste Analysen der Presse und von OppositionspolitikerInnen besagen, daß die Bundesregierung deswegen nichts zu den Übergriffen des türkischen Präsidenten Erdogan gegen die Pressefreiheit in Deutschland sagen würde, weil die EU kürzlich einen Deal der Menschenverachtung, Gewalt und kriminellen Energie mit der Türkei abgeschlossen hat, der sich gegen Geflüchtete richtet.

1. Was ist passiert?

Zunächst mal ging es um die Pressefreiheit in der Türkei: Zwei Journalisten stehen vor Gericht, auf eine persönliche Strafanzeige von Erdogan hin.

Das türkische Verfassungsgericht hatte zwar ihre Freilassung verfügt, scheint Erdogan aber ziemlich wurscht zu sein.

Die Journalisten hatten für Cumhuriyet über Waffenlieferungen der Türkei nach Syrien berichtet. Der Prozeß findet unter breiten internationalen Protesten statt.

Der deutsche und der britische Botschafter haben sich die erste öffentliche Verhandlung angesehen, was Erdogan einfach angepißt hat, also hatte er einen öffentlichen Wutausbruch.
Wie man das halt so macht als Staatsoberhaupt.

Die Satiresendung des NDR extra 3 hat am 17. März ein Spottlied über Erdogan gesendet.

Darin ging es unter anderem auch um die Pressefreiheit in der Türkei.

Daraufhin hat Erdogan den deutschen Botschafter in Ankara formell vorladen lassen, und der Botschafter mußte sich wegen der Satiresendung vollabern lassen.

Die formelle Vorladung eines Botschafters ist äußerst ernstzunehmen, und wenn eine Regierung den Botschafter eines anderen Landes vorlädt, um in die Pressefreiheit oder sonstige innere Angelegenheit des anderen Landes einzugreifen, dann ist das ein mega-krasses Unding und geht gar nicht.

Die Bundesregierung muß auf sowas reagieren, und zwar sofort und mit Klarheit. Hat sie aber nicht. Und das ist ein Problem, und jetzt fragen sich alle: Wieso hat sie denn nicht?

Exkurs: Moment mal, also was ist auf dem Video jetzt eigentlich genau drauf?

Hier ist das Video.

Es wird jetzt natürlich auf allen Kanälen geteilt, weil wenn Erdogan versucht, deswegen die Pressefreiheit anzugreifen und internationale diplomatische Zwischenfälle zu verursachen, dann will man natürlich erstens wissen, wofür, und zweitens sollen solche Versuche natürlich nach hinten losgehen, was man mit einer Verbreitung und fleißigem Konsum des Videos sehr leicht erreichen kann. Drittens zeigt youtube ja immer die Zugriffszahlen, da kann der Mann schön auf dem Laufenden bleiben, wie sein Vorgehen nach hinten losgegangen ist.

Dafür gibt es auch einen Begriff: Streisand-Effekt.

Ich habe jetzt die Version mit türkischen Untertiteln gezeigt, vielleicht hat die noch nicht so viele Klicks wie das Originalvideo, bei dem man englische Untertitel annschalten kann.

Übrigens hat extra 3 vor etwa einem Jahr schon mal ein Liedchen über Erdogan veröffentlicht. Damals haben die Menschen in der Türkei wegen einem Grubenunglück und der Politik in Zusammenhang damit protestiert, das alte Video ist hier, das kann man sich zusätzlich ansehen, das ärgert den noch mehr:

Wobei, am allermeisten würde ihn vermutlich ärgern, wenn man den Artikel verbreiten würde, wegen dem die zwei türkischen Journalisten vor dem türkischen Gericht stehen.

Die Anklage lautet übrigens unter anderem: „Verrat von Staatsgeheimnissen“. Das ist eine kräftige Bestätigung dessen, was in dem Artikel steht.

2. Welche Gründe sieht die Presse für das Schweigen der Bundesregierung, und wieso halte ich davon nix?

Wenn danach gefragt wird, wieso Merkel nicht auf den Eklat reagiert (und zumindest wird danach gefragt, das ist schon mal etwas), dann fällt der Presse die „Flüchtlingskrise“ ein. (Die Diskussion, warum dieser Begriff an sich schon einen verzerrten Blick transportiert, hat auch keine großen Spuren hinerlassen.)

Erdogan soll der EU helfen, die Zahl der Geflüchteten zu reduzieren, und zu diesem Zweck hat die EU mit ihm einen Deal abgeschlossen.

Deswegen, so die Erklärung, will die Bundesregierung ihn jetzt nicht anpupsen.

Ich vermute inzwischen, daß JournalistInnen einfach nicht die Zeitung lesen und ihre medialen Produkte selbst nicht konsumieren. (Vielleicht haben sie dafür gute Gründe. Vielleicht denken sie, daß Zeitunglesen zu einem frühen Herztod führt.)

Jedenfalls, wenn sie mal Zeitung lesen würden, müßten sie doch wissen, daß es schon seit Jahren so ist, daß Erdogan sein despotisches Ding macht, ohne dafür in Ärger mit der Bundesregierung oder der EU zu bekommen.

Ich sach ma: Gezi-Park/ Taksim, Erdogan und Daesh („IS“), Pressefreiheit in der Türkei, Korruption, …

Also kann doch eigentlich streng genommen nicht so wirklich die Rassismuskrise („Flüchtlingskrise“) die Ursache sein dafür, daß die Bundesregierung nichts sagt. Denn diese Krise war ja damals noch nicht da.

Hmmm, was könnte dann der Grund sein?

Also wenn ich mal scharf nachdenke, dann komm ich auf folgende drei Punkte:

– Incirlik Air Base: Der Miltärflughafen gehört der Türkei und wird von NATO und USA benutzt
– Öl- und Erdgaspipelines: dafür hat die Wikipedia eine eigene Kategorie, nur für Pipelines durch die Türkei
– Außenhandel der EU und BRD mit der Türkei: Das Leistungsbilanzdefizit (nicht erschrecken, ich erkläre es gleich) der Türkei betrug in 2014 schlappe 84 Milliarden Dollar, das heißt, daß die Türkei vom Ausland für 84 Mrd. $ mehr eingekauft hat als umgekehrt – ein ordentliches Häppchen für die Wirtschaften anderer Länder. Und bezahlen tun es ja letztlich die Menschen in der Türkei. Und Deutschland ist ein wichtiger Handelspartner. Einmal kurz googeln, keine Hexerei.

Anders gesagt: Krieg, Öl, Geld.

Überraschung.

Gib deine E-Mail-Adresse ein, um diesem Blog zu folgen und per E-Mail Benachrichtigungen über neue Beiträge zu erhalten.

Gleichheit oder Ungleichwertigkeit

Menschen, die ungefähr drei Jahre alt sind, verstehen manchmal eine ganz wichtige Sache noch nicht so richtig.

Die Sache ist die: Wenn ich jemand anderem das Spielzeug wegnehme, und wenn jemand anders mir das Spielzeug wegnimmt, ist es dasselbe.

Obwohl es sich ganz anders anfühlt!

Und deswegen ist das manchmal eine ganz schön harte Nuß. Jedenfalls für Dreijährige.

Wenn jemand diese Nuß nicht beizeiten geknackt hat, dann merkt man das später im Alltag und in der Kommunikation mit so jemand.

Doch auch wer das im Prinzip mal irgendwann verstanden hat, kann sich später einfach dessen enthalten, zwei und zwei zusammenzuzählen und mit einem hingerotzten „Das ist was ganz anderes!“ nicht nur die Empathie verweigern, sondern auch die Gleichwertigkeit von Mensch und Mensch negieren.

Wenn so was aufgrund einer Gruppenzugehörigkeit passiert, heißt das: Diskriminierung, oder gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

Wenn so was organisiert passiert, heißt es: AfD, Pegida, NPD, ProDeutschland etc. etc. etc.

Ganz besonders anschaulich haben sich diese Leute erst letztens vorgeführt, als eine AfD-Funktionärin von einem Aktivisten eine Torte ins Gesicht bekam.

Sie hatte zuvor gefordert, auf Flüchtende zu schießen, um sie daran zu hindern, die Grenze nach Deutschland zu übertreten. Auf Nachfrage bestätigte sie: Ja, auch auf Kinder.*

Nüsse
Foto: Pixabay

Denn:

„Wer das HALT an unserer Grenze nicht akzeptiert, der ist ein Angreifer. Und gegen Angriffe müssen wir uns verteidigen.“

Einen Grenzübertritt hatte sie so zum „Angriff“ umgedeutet, wodurch der geforderte Schußwaffengebrauch rhetorisch zur Notwehr wurde.

Dafür hat sie eine Torte ins Gesicht bekommen.

„Denn wer das HALT an unserer ethisch-moralischen Grenze nicht akzeptiert, der ist ein Angreifer. Und gegen Angriffe müssen wir uns verteidigen.“

So die Begründung im Einzelnen.

Wie der Metronaut-Blog berichtet, haben anwesende AfD-Mitglieder den tortenwerfenden Clown anschließend geschlagen und getreten, die getortete Funktionärin veröffentlichte ein Foto von ihm und seinen Namen, und weigerte sich zunächst, die Morddrohungen gegen ihn zu moderieren, sofern sie auf ihrer Facebook-Seite und damit in ihrem Verantwortungsbereich erscheinen.

Hier berichtet er selbst.

Wer legal die Grenze nach Deutschland überqueren will, um Asyl zu beantragen (denn egal wie aussichtsreich ein solcher Antrag ist: Jede darf ihn stellen), wer also gegen kein Gesetz verstoßen und niemandem was getan hat, auf den soll scharf geschossen werden.

Aber die Schrafmacherinnen, die fordern, daß auf Unschuldige geschossen wird, sind selbst ihrerseits sakrosankt, und eine Beleidigung gegen sie soll die Todesstrafe zur Folge haben (das geht sogar noch über das biblische „Torte um Torte, Zahn um Zahn“ hinaus).

Oder kurz:

Die Ideologie der Ungleichheit in der praktischen Anwendung.

Oder noch anders gesagt: Diese Leute schnallen einfach nicht, daß es genau dasselbe ist, wenn man ihnen das Spielzeug wegnimmt, wie wenn sie anderen das Spielzeug wegnehmen.

Sie sind moralisch noch hinter das Niveau von Dreijährigen zurückgefallen.

###

Dieser Text ist ein Beitrag zur Blogparade „Schreiben gegen Rechts“, und ich möchte hiermit auch gleichzeitig zur Teilnahme aufrufen. Die Blogparade läuft noch bis 31. März. Alle Beiträge werden zum Schluß gesammelt präsentiert.

——-
* Richtig: Das Märchen von der Computermaus habe ich an dieser Stelle nicht erwähnt, es tut ja nichts zur Sache.

Frank-Jürgen Weise: „Ich würde vorschlagen, einfach mal sechs Monate Ruhe zu geben. Danach wird abgerechnet.“

Ach ja? Warum nicht gleich abrechnen? Es ist höchste Zeit.

Weise verwandelt Menschen in Zahlenmaterial und behandelt sie auch so. Zuerst Erwerbslose, jetzt auch Geflüchtete.

Erstens, der Mann ist Militär, das heißt, er ist zuerst mal für den Krieg, das Töten und vor allen Dingen für Hierarchien ausgebildet. Nicht für den Frieden.

„Die Zeit als Berufssoldat hat den Führungsstil des Managers geprägt“ und „Einmal im Jahr rückt der Offizier Weise zu einer einwöchigen Übung in die belgische Hauptstadt ein. Im geordneten Durcheinander des nordatlantischen Verteidigungsbündnisses lebt er nach eigenen Worten richtiggehend auf“, schreibt die FAZ 2006 über ihn.

Seine Biographie in der Wikipedia ist da sehr aufschlußreich.

Zweitens, der Mann ist auch kein Demokrat (siehe erstens). Das sagte er hier schon mal relativ unverhüllt der Wirtschaftswoche.

Daß er der Landespolitik „sechs Monate Ruhe geben“ verordnen möchte, spricht auch nicht gerade für eine demokratische Gesinnung.

Gleichzeitig kritisiert er seinerseits mehrere Bundesländer dafür, daß sie nicht genug Menschen gewaltsam verschleppen („abschieben“).

Zudem sagte Weise, er dürfe nämlich deswegen nicht kritisiert werden, weil das nämlich gemein wäre den Beschäftigten gegenüber im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Wer die Pressearbeit der BA verfolgt hat, muß an dieser Stelle gähnen.
Dort ist es meist Heinrich Alt gewesen, der die Beschäftigten nach vorne geschoben hat, wenn er selbst kritisiert wurde.
Inzwischen scheint der Reflex gut eingeübt.
Mein Unverständnis gilt hier gleichermaßen denjenigen Beschäftigten, die sich das gefallen lassen, und einer Öffentlichkeit, die den Blödsinn schluckt – immer und immer wieder.

Allerdings muß man fairerweise dazusagen, daß Weise dem BAMF-Personalrat einen Maulkorb umgehängt hat.

Der Personalrat des BAMF hatte Weise damals nämlich einen offenen Brief geschrieben.
Kritikpunkte:

„Praktikanten entschieden inzwischen nach nur wenigen Tagen über menschliche Schicksale. … Ein weiterer Kritikpunkt ist die Einarbeitung neuer Entscheider im „Hau-Ruck-Verfahren“: Kollegen der Bundesagentur für Arbeit, Praktikanten und abgeordnete Mitarbeiter anderer Behörden würden „nach nur einer drei- bis achttägigen Einarbeitung als „Entscheider“ eingesetzt und angehalten, massenhaft Bescheide zu erstellen“. Offiziell gibt das BAMF die Einarbeitungszeit für Entscheider mit sechs Wochen an. Vor kurzem war die Einarbeitungszeit noch um ein Vielfaches länger. „Bevor die neuen Entscheider überhaupt die erste Anhörung alleine machen, haben sie eine Ausbildung von drei bis vier Monaten hinter sich“, betonte Weises Vorgänger Manfred Schmidt stets. Und dann würden sie noch nicht über komplizierte Fälle entscheiden. … Der Oberst der Reserve soll nun dafür sorgen, dass die Zahlen beim Flüchtlingsamt positiver ausfallen. … Die Vielzahl von „handwerklich schlecht gemachten Entscheidungen“ werde im nächsten Schritt auch die Verwaltungsgerichte nahezu lahmlegen“, berichtete der Tagesspiegel.

Überraschenderweise ist diese Kritik am BAMF genau dieselbe, die Erwerbslose schon seit langem an der BA haben – konnte schließlich niemand ahnen, daß Weise dieses genauso führen würde, wie er seit Jahren jene führt!

Aus meiner Perspektive als Erwerbslose finde ich es allein schon gruselig genug, daß Personen ohne Befähigung zum Richteramt routinemäßig in einem Verwaltungsverfahren über Asylanträge entscheiden, auch ganz ohne daß man diese auch noch einem Controlling und einer Personalpolitik a la Frank-Jürgen Weise unterwirft.

Auch im Jobcenter entscheiden ehemalige Bahn- und Postangestellte oder Schulhausmeister als Teil ihrer Arbeitsroutine und unter dem Druck, Zahlen zu produzieren, dabei überarbeitet und in der Sache überfordert, ob einzelne Leistungsbeziehende ein Existenzrecht haben oder nicht.

„Normalerweise werfe ich offene Briefe immer weg, denn sie sind ja nicht an mich gerichtet, sondern an die Öffentlichkeit, und das bin ich nicht“, sagt Weise.

Briefe wegwerfen ist ja überhaupt normal dort, wo Weise der Boß ist.

Und sollen wir Weise glauben, wenn er zu glauben behauptet, an ihn adressierte offene Briefe richteten sich nicht an ihn?

„Über die Art und Weise der Kritik sei er dennoch etwas erstaunt. Aus der BA, „wo wir viele berechtigte, sachliche, harte Auseinandersetzungen haben“, kenne er das in dieser Form nicht.“

Und das ist auch nicht so richtig wirklich die Wahrheit. Es ist sogar richtig kackendreist gelogen.

Mit einem Notausgang.
Denn die Jobcenter, deren Personalräte Weise und die BA seit Jahren vergeblich mit offenen Briefen eindecken, gehören strukturell genau genommen im bürokratischen Sinn nicht zur BA. Kein Grund für Weise, überrascht und unschuldig zu tun.

Manche Erwerbslose bezeichnen die BA inzwischen als „Bundeslügenagentur für Scheinbeschäftigung und Zwangsarbeit“ (BlAfSZ).

Vertieft zur Märchenarbeit der BA hier.

Fairerweise muß man noch dazusagen, daß der offene Brief des BAMF-Personalrates sich auch damit beschäftigte, Panik zu schüren und zu insinuieren, daß Terroristen einreisen würden, weil die Identität von syrischen Staatsangehörigen nicht akribisch genug geprüft würde.

Ich finde es außerdem bemerkenswert, daß Weise selbst mit einigem Erfolg versucht, in die Politik einzugreifen, ohne jemals auf demokratischem Weg auch nur das kleinste Mandat übertragen bekommen zu haben. Wie er innerhalb der BA zum Vorstand wurde, schildert die FAZ:
„Weise spricht beim damaligen Arbeitsminister Wolfgang Clement vor. Den Spitzenjob könne er nur als akribischer Technokrat ausfüllen, macht Weise klar“.

Noch heute tritt Frank-Jürgen Weise als Kumpel des berüchtigten „Parasiten-Clement“ auf.

Wie es auch bei der BA seit jeher üblich ist, denkt Weise sich überhaupt nichts dabei, auch im Rahmen seiner Tätigkeit für das BAMF mit großer Selbstverständlichkeit und Regelmäßigkeit über die Medien der Politik und dem Rest der Welt mitzuteilen, wie sie zu denken und was sie zu tun haben.

Welche andere Bundesbehörde und welche andere Sozialversicherung tritt so auf?

Und vermutlich nicht nur in den Medien. Als die CSU um die Weihnachtszeit plötzlich mit dem bizarren Vorschlag um die Ecke kam, Geflüchtete mit Integrationsvereinbarungen und Sanktionen zu traktieren, genau wie die Jobcenter es mit Erwerbslosen machen, da hatte das BAMF sich vorher mit dem Arbeitskreis Migration der CSU getroffen.

Allein in den letzten Tagen hat Weise zum Beispiel eine Ausdehnung der Residenzpflicht gefordert, Verantwortung Richtung Österreich und Türkei geschoben, Aussagen über die Schließung der Grenzen und über den Umgang mit Rechtsextremismus gemacht.

A propos Auftreten: Wie das BAMF nach neuen Beschäftigten suchte, nachdem Weise und etliche weitere BA-Leute es mit ihrer Arbeitsmarktkompetenz aufrüsteten, beschreibt hier jemand, der sich mit sowas auskennt. Unterirdisch.
Zitat:
Arbeitgeber-Leistungen
Wir bieten Ihnen
– Aufgaben, die Sie täglich fordern und fördern“

Heute habe ich zum ersten Mal das Wort „Ämterhäufung“ im Zusammenhang mit Weise in der Zeitung gelesen – endlich! Das war in der Welt, lesenswert.
Daß der Mann auch noch die Hertie-Stiftung leitet, und dort als erste Amtshandlung alle Projekte für Geflüchtete eingespart hat, wußte ich gar nicht.

Neben allem anderen ist Weise auch noch Kuratoriumsmitglied von ProChrist, einer Art Missionsverein.
Ich erwähne das deshalb, weil es eine Petition gibt, die seinen Rücktritt fordert. Wegen Verbreitung von Lügen (Fachkräftemangel) und Säen von sozialem Unfrieden und Fremdenfeindlichkeit.

Seit Weise das BAMF führt, erscheinen Geflüchtete in der politischen Debatte als Zahlen.

Nicht als Menschen. Nicht als Rechtssubjekte. Eine Teilnahme an der Debatte? Insofern Zahlen eben sprechen.

Die Zahl muß reduziert werden. Deswegen muß mehr gewaltsam verschleppt („abgeschoben“) werden.

Einen Menschen, ein Rechtssubjekt kann man nur unter Bedingungen gewaltsam verschleppen („abschieben“), die nichts, aber auch gar nichts damit zu tun haben, wie viele andere Menschen mit Rechten sonst noch hier sind.
Bei Zahlen ist das was ganz anderes, mit denen kann man das machen.

Auch wir Erwerbslosen werden weder als Menschen wahrgenommen, noch als Rechtssubjekte, und dementsprechend werden unsere Angelegenheiten verwaltet: Unsere Zahl muß sinken!

Bei dieser Umdeutung handelt es sich um eine Entmenschlichung.

Und es reicht gar nicht, dem entgegenzuhalten: Erwerbslose sind Menschen! Geflüchtete sind Menschen!

Denn die Verwaltung hat uns zwar als Menschen zu respektieren, sie hat aber auch einen Abstand einzuhalten (Privatsphäre, Datenschutz, allgemeine Handlungsfreiheit sind hier Stichworte).

Die Verwaltung hat uns gar nicht so nahe zu treten, daß unsere individuelle Menschlichkeit in jedem Fall verläßlich ausreicht, uns vor Übergriffen zu schützen.
Deswegen gibt es Rechtsgüter.

Und Menschlichkeit und Rechtsgüter auch in der Praxis zu entfernen ist die Aufgabe von Frank-Jürgen Weise. Das von ihm in BA und BAMF eingeführte Controlling, mit dem Menschen auch ganz praktisch in Zahlen verwandelt werden, setzt die Entmenschlichung und Entrechtung von Agenda 2010 und Asylpaketen perfekt um.

Daß sich fürs BAMF niemand anders gefunden hat, finde ich sehr erfreulich, denn es wäre schlimm, wenn es viele Menschen geben würde, die dazu bereit sind.

Selbstverständlich gehört so jemand umgehend aus allen Ämtern entfernt.
Doch Weise macht ja genau, was er soll.

Das Verwandeln von Millionen von Menschen in Zahlen und deren anschließende Reduzierung entspricht ganz genau seiner politischen Stellenbeschreibung.

Deswegen wird Weise wohl noch etwas länger als sechs Monate auf die endgültige Abrechnung warten müssen.

Gib deine E-Mail-Adresse ein, um diesem Blog zu folgen und per E-Mail Benachrichtigungen über neue Beiträge zu erhalten.

Starting a GNUsocial / Quitter Account, Step One

There are wikis about using GNUsocial (english, german).

I thought I’d do a step by step guide, inspired by an online blogging course I took part in over the last three weeks.

I’m doing it in english so more users can have access to it.

And I’m doing it in several instalments, as I find time, so it won’t be complete at first.

Step one: Choosing a GNUsocial / Quitter instance

So you are fed up with Twitter, and looking for an alternative, or some of your friends have moved to the federated network, and you want to join them.

What you have to know at this point is that even though there are many different public servers (called instances) which offer accounts, they are all federated. This means you can have an account on just one of these instances but communicate with the population of all the other instances, too.

Screenshot of the public timeline from gnusocial.de, to be found at https://gnusocial.de/main/public
Public timeline at gnusocial.de, a german instance

So, before actually setting up an account, you get to choose an instance which fits your preferences.

A few points to consider:

  • Number of allowed characters per post:
    Some instances allow only 140 Characters per post, like quitter.se, others allow many more.
  • Data protection: Instances are based in different countries, so if you are concerned, you may want to choose an instance in a country with strict laws, or anyway one based in a different country from yourself, so authorities have at least a few hoops to jump through if they want to obtain data.
  • Special interest: Most instances are not devoted to anything in particular.
    However, there are a few: Rainbowdash is for bronies (what are bronies?). There are two instances for „shitposting“. They became part of the federation when some users were banned from other instances for posting lots of notices with not much content (read the whole story). And then there’s quit.im, specially for sharing pictures. One instance is for talking about ADHS (Attention Deficit Hyperactivity Disorder).
    An online magazine called Highland Arrow uses a GNU Social instance as community for comments on their site, and everything else you can do with any instance.
    There is also an instance for porn.
  • Maybe you want to be on the same instance as all your friends, or maybe you want to do the opposite and diversify. The federation encourages decentralization and distribution.
  • There is also the possibility of setting up your own GNUsocial instance, only we are not covering this today.
    If you want to do this, I’d recommend to get an account on an existing instance anyway, to connect to the admins who are running instances already, because they will help you out with advice if something does not work right away.

Here is a list of instances to choose from, and here is another one. And here.

If you have found a few instances that appeal to you, you can do one more thing and check their public timelines – yes there are more than one.

Each instance has a public timeline, where you can see everything the users of this instance publish, and you find it under the URL {instance}/main/public, for example gnusocial.red/main/public.
You can see what languages are used around there, when was the last activity, what are they talking about and so on.

Then there is the timeline of the whole known network. That is, known to this instance. An instance „knows“ accounts on other instances if they are being followed by its users. That means, if I follow an account on a different instance, their status updates show up in my own stream *and* in the whole known network timeline of my instance.

So, if you look at this special timeline of an instance, you see the posts of the instances‘ users and also the posts of everyone they follow on other instances.

The whole known network timeline goes by the URL {instance}/main/all, for example status.vinilox.eu/main/all.

So, choose wisely!😀

Upcoming:
– get an account
– use clients for smartphone and desktop
– connecting to your other social media profiles
– follow and be followed
– groups

I will need guest posts for clients and connecting to other social media, because I don’t do these and cannot tell you anything about it.

Also, please tell me in the comments if something is missing, and whether this is useful for you.

Don’t miss the next instalment, and follow this blog:

Gib deine E-Mail-Adresse ein, um diesem Blog zu folgen und per E-Mail Benachrichtigungen über neue Beiträge zu erhalten.

Wohin mit dem BGE?

Seit Ewigkeiten wollte ich mal was zum bedingungslosen Grundeinkommen schreiben.

Heute gibt es dazu ein paar Gedanken und Geschichten, aus Anlaß einer Blogparade.

(OT*: Veranstalterin Eva Ihnenfeldt hat mich mit diesem Artikel davon überzeugt, daß ich sehr gerne an einer von ihr veranstalteten Blogparade teilnehme.)

Aktivistinnen, die für das BGE eintreten, haben mir erzählt, daß die erste Reaktion auf die Idee standardmäßig ist: „Dann arbeitet ja niemand mehr!“
Daher verstehe ich es, wenn Befürworterinnen auch zuerst auf diesen Aspekt eingehen, und dieselbe Frage stellen wie auch diese Blogparade:

Was würdest Du tun, wenn es das bedingungslose Grundeinkommen gäbe in Deutschland – ohne Wenn und Aber, einfach als „Recht auf ein Leben in existenzieller Sorglosigkeit“.

Als mir diese Frage 2011 gestellt wurde, habe ich richtig intensiv darüber nachgedacht.

Normalerweise schaut man ja zuerst, welche Möglichkeiten es gibt, man schaut sich Stellenannoncen oder Ausbildungsangebote an und überlegt dann, was davon man machen möchte.

Jedenfalls als Erwerbslose.

Comic: Jemand liegt im bett und schnarcht, es ist dunkel, der Mond scheint. Darüber steht: "Wir träumen, um zu verarbeiten, was wir tagsüber erlebt haben." Dann ist es Tag, da steht jemand und sieht verwirrt aus. Die Sonne scheint. Darüber steht: "Tagsüber verarbeiten wir dann, was wir die letzte Nacht geträumt haben."
Comic von http://www.islieb.de, Lizenz

Zu tun gibt es natürlich genug, nur es gibt eben nicht unbedingt Geld dafür. Bedürfnisse, auch die dringlichsten, gehen sogar sehr oft nicht mit Kaufkraft einher.

Im Prinzip war mir auch vorher schon klar, daß man am Besten erstmal beides getrennt betrachtet.
Aber erst die Vorstellung vom bedingungslosen Grundeinkommen hat es mir ermöglicht, mich richtig da reinzudenken, und dann auch die Konsequenz zu ziehen: Was ich im Falle eines BGE tun wollen würde, will ich in jedem Fall tun.

Und tue es auch seitdem, auch gegen große Widerstände.

Ich nenne es: Geistiges BGE.

Wenn das Leben Dir Zitronen gibt, leg sie beiseite und iß Deine Bratwurst weiter.**

Etwas später hieß es in Teilen der Grundeinkommensbewegung, im Iran gäbe es jetzt das BGE.
Schien mir etwas überraschend.

Als ich mich mal länger mit jemand aus dem Iran unterhielt, befragte ich ihn näher dazu.
Oh ja, im Iran gäbe es ein bedingungsloses Grundeinkommen, sagte mir mein Gesprächspartner.
In welcher Höhe? Nun ja, vor der Einführung des BGE sei der Brotpreis subventioniert gewesen. Damit niemand hungern müsse. Diese Subvention sei mit Einführung des BGE weggefallen. Der Brotpreis sei sehr gestiegen. Das BGE sei viel niedriger als die Differenz des jetzigen Brotpreises zum früheren.
Und ob alle das BGE bekämen? Ja, alle könnten es beantragen, aber nur wenige würden es tun, denn wer einen Antrag stelle, sei etwa wie hier Hartz-IV-Beziehende.

Ein Mensch und ein Einhorn trinken Bier. Der Mensch sagt: "Die Dinge, die wir wollen und die Dinge, die wir kriegen, sind oft zwei Paar Schuh." und: "Du wolltest immer Astronaut werden und ich das letzte Einhorn auf Erden." und "Wenn ich morgen zum mars fliege, werd ich an dich denken, altes Pferd." und das Einhorn sagt: "Ich werde hier auf der Erde die stellung halten."
Comic von http://www.islieb.de, Lizenz

Aus dieser Geschichte habe ich geschlossen, daß man mit dem BGE gerade genausoviel Schindluder treiben kann wie ohne.

Wenn ich sage „Ich will ein BGE“, dann habe ich genau gar nichts darüber gesagt, wie ich vom Staat oder vom Arbeitgeber behandelt werden, oder wie ich leben will.

Und ich halte es für unverzichtbar, nicht nur zu sagen, was ich will, sondern auch, zu benennen, was dabei im Weg steht.

Wenn ich mehr Geld will als in Hartz IV, dann wird jemand anders weniger haben.
Und ich will ganz bestimmt nicht, daß das der Krankenpfleger oder die Leiharbeiterin ist.

62 Personen besitzen so viel wie die Hälfte der Weltbevölkerung.

Diese Leute werden ihr Geld nicht einfach so herausrücken, so dumm uns diese Einstellung auch erscheinen mag.

Wir befinden uns mitten in einem existenziellen Verteilungskonflikt, denn Armut tötet. Auch die Art von Armut, die in den reichen Ländern weit verbreitet ist.

Die BGE-Bewegung steht für die Hoffnung, daß dieser Konflikt irgendwie weggeht, wenn man ihn nur lange genug ignoriert.
———–
* OT heißt Off Topic. Die kleine Passage gehört nicht so wirklich zum Thema.
** Das habe ich aufgeschnappt, okay?

Keinen Beitrag mehr verpassen?

Gib deine E-Mail-Adresse ein, um diesem Blog zu folgen und per E-Mail Benachrichtigungen über neue Beiträge zu erhalten.