Warum ich den Mann „Parasiten-Clement“ nenne

Wie mir heute bekannt wurde, hat Wolfgang Clement zusammen mit Frank-Jürgen Weise, der neuerdings sowohl das BAMF* wie die BA** leitet, ein Interview gegeben.

Mit der Qualität der Berichterstattung zum Thema Hartz IV, die, würde sie sachkundig und kritisch ausfallen, auch ermöglichen würde, die neue Doppelfunktion von Weise entsprechend zu thematisieren und einzuordnen, und neben dem Grundrecht auf Existenz, welches das BVerfG*** auf Klagen von Erwerbslosen UND Geflüchteten hin konkretisierte, ein weiteres gemeinsames Interesse von Geflüchteten und Erwerbslosen darin zu entdecken, daß Geflüchtete genausowenig dem arbeitsmarktbezogenen Jobcenter-Terror ausgesetzt werden dürfen wie diejenigen, die es jetzt schon sind, und so weit vergleichbar aus den Positionierungen und Kämpfen der einen Informationen und Argumente zur Notlage und Diskriminierung und den Kämpfen der anderen zu beziehen, statt in Begriffen einer Konkurrenz beider Gruppen um Aufmerksamkeit der Presse zu denken, bin ich zu meinem großen Leidwesen in den letzten Monaten intensiver konfrontiert worden, nämlich im Zusammenhang mit der Aktion von Ralph Boes.

(Ich habe sogar ein wenig Zweifel, ob eine Mehrzahl von PressevertreterInnen überhaupt in der Lage ist, festzustellen, ob der letzte Satz grammatikalisch korrekt ist oder nicht, geschweige denn, welchen Inhalt er hat.)

In einem leichten Anflug von diesbezüglichen Emotionen schrieb ich eben in eine Email:

„Ich würde mir am liebsten 100 JournalistInnen schnappen und sie so lange einsperren, bis sie fundiert nachgewiesen haben, auf wie viele Arten sie von den beiden Vögeln mal wieder nach Strich und Faden verarscht wurden.

Und wenn sie schon dabei sind, sollen sie auch genau erklären, auf wie viele verschiedene Arten es ein Unding ist, daß Weise das BAMF mit übernimmt.“****

Zur Eingangsfrage:
In 2005 setzte Wolfgang Clement Erwerbslose pauschal mit Parasiten gleich.
Die tazNRW zitierte damals Thomas Münch, Professor an der Fachhochschule Düsseldorf: „Clement will offensichtlich von seiner eigenen Unfähigkeit ablenken“ und „Dieser Schmuddel-Report ist in einem Nazi-Duktus verfasst. Das ist der Jargon des Nazi-Hetzblatts ,Stürmer'“.

Tatsächlich bringt eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung aus 2014 („Fragile Mitte – Feindselige Zustände“, download) die seit 2005 massiv angeheizte und auch gewachsene gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gegen Erwerbs- und Wohnungslose in Zusamenhang mit anderen rechtsextremen Einstellungen und mit deren gezielter Verbreitung, völlig unabhängig davon, daß die hiervon betroffene Gruppe gleichzeitig aus dem rechtsextremen Lager heraus gegen Geflüchtete ausgespielt und aufgehetzt werden soll, und von der anderen Seite her gleichzeitig auch häufig mit Rechtsextremismus in Verbindung gebracht wird.

Die Hetze gegen Erwerbslose stand damals nicht im luftleeren Raum, sondern im Zusammenhang mit der Einführung von Hartz IV.

Und tatsächlich vetritt Clement auch immer noch dieselben Positionen, nur, daß das Regime auch auf Geflüchtete ausgeweitet werden soll, und schrieb im Handelsblatt „Jeder legale Arbeitsplatz ist zumutbar.“ Flüchtlinge hätten das verstanden. „Alle anderen müssen es lernen.“
(Zitiert nach „Die Anstalt“ ab Minute 12)

Nun, Überraschung, HartzIV ist immer noch da, und die unter anderem von Clement in seiner damaligen Eigenschaft als Bundesarbeitsminister verbreiteten Einstellungen Erwerbslosen gegenüber auch. Deswegen ist seine Äußerung auch leider noch brandaktuell, zumal eine google-Suche nach „Clement Parasiten Entschuldigung“ keinen Hinweis auf das Gesuchte ergab.

Und wenn Clement sich jetzt, als sei er diesbezüglich rehabilitiert, fröhlich und einträchtig ausgerechnet mit BA- und BAMF-Chef Weise zum Interview begibt, wenn auch Weise es nicht peinlich findet, sich mit ihm sehen zu lassen, dann sage ich, erstens, daß mit jeder Erwähnung von Clement auch an dessen Äußerung erinnert werden muß, daß dies zweitens nicht jedesmal mit einer Neuerzählung der ganzen Geschichte verbunden sein kann, und daß drittens die Äußerung Clement anhängen muß und nicht denjenigen, die er damit diffamierte. Viertens stellt man Parasiten-Clements Äußerungen damit automatisch in einen Zusammenhang, den ich sachlich für den richtigen Zusammenhang halte, und fünftens scheint es angesichts von Umfang und Inhalt der Medienpräsenz des gesamten Themas angebracht, sich mit dieser extremen Kürze auszudrücken.

Deswegen: Parasiten-Clement.

Übrigens, der ganze Satz lautete:
„Biologen verwenden für ‚Organismen, die zeitweise oder dauerhaft zur Befriedigung ihrer Nahrungsbedingungen auf Kosten anderer Lebewesen – ihren Wirten – leben‘, übereinstimmend die Bezeichnung ‚Parasiten‘.“
(Zitat)

——
* BAMF: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, neuer Chef: Frank-Jürgen Weise
** BA: Bundesagentur für Arbeit, wird von Insidern als Mischung aus Staat-im-Staat und Psychosekte beschrieben, Chef: Frank-Jürgen Weise
*** BVerfG: Bundesverfassungsgericht, urteilte zum Recht auf menschenwürdiges Existenzminimum 2010 und 2014 auf Klagen Erwerbsloser, 2012 auf Klagen Geflüchteter hin
**** Disclaimer: In dieser Situation bekomme ich, wie man sieht, starke autoritäre Gelüste, und halte es für richtig, dazu öffentlich zu stehen, denn die Wut muß endlich sichtbar werden. Dennoch sage ich auch ausdrücklich: Ich halte das nicht wirklich für einen tollen Plan, und trete keineswegs für eine Durchführung ein. Zum Weiterlesen.

Update: Das hier geht schon mal in die richtige Richtung.

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3 Gedanken zu “Warum ich den Mann „Parasiten-Clement“ nenne

  1. Vielleicht wird ja …-Clement seinen Posten bei der Deutsche Wohnen los, wenn Annington den LEG-Immobilien-takeover durchzieht und die Deutsche Wohnen gleich mit einsackt.

    Solche Figuren haben es allerdings drauf, weich zu fallen. Man kennt sich, man hilft sich.

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