Neue Variation von „Geflüchtete kriegen wahnsinnig viel Geld vom Staat“

Der Blog „Nachrichtenspiegel“ hat sich die neueste mir bekannte Variante ausgedacht, um zu „beweisen“, daß Geflüchtete viel mehr Geld kriegen als HartzIV-EmpfängerInnen.

In diesem Fall nehme ich das auch persönlich, nicht nur weil ich mich als Erwerbslose beleidigt fühle von der plumpen Manipulation, auf die ich wohl reinfallen soll, sondern auch, weil der Autor des unsäglichen Postings („Eifelphilosoph“) auf meinen letzten Text drüben im Sanktionsstreik-Blog verlinkt und mich auch noch ausführlich zitiert und sich positiv auf mich bezieht bei seinem Gehetze.

Das macht mich richtig sauer, und die einzige Gegenwehr, die mir einfällt, ist, den Artikel vom Nachrichtenspiegel mal richtig detailliert zu zerpflücken, damit man mal sieht, WIE blöd und niederträchtig er eigentlich ist, und wie solche Manipulationen im Einzelnen funktionieren.

Diese Gegenwehr könnt Ihr noch effektiver machen, indem Ihr Euch den ganzen Text durchlest, das in der Kommentarspalte sichtbar macht, und ihn weiterempfehlt, darum bitte ich Euch.

In der Überschrift wird das Aussterben der Gerechtigkeit angeprangert und als „Staatsversagen“ eingeordnet, zum anderen die Begriffe „Alpha-„ bzw. „Omegakinder“ eingeführt.

Ich verlinke jetzt nicht den ganzen Schmu, sondern es gibt einige Screenshots.

So, damit ist das Thema gesetzt: Geflüchtete Kinder KRIEGEN VIEL MEHR GELD!!!!! als toitsche Kinder. Darin soll die angeprangerte Ungerechtigkeit liegen, und damit das „Staatsversagen“.

Spoiler: Weiter unten im Text werden dann die Kinder, die angeblich mehr Geld kriegen, als „Alpha-„ und die anderen als „Omega-Kinder“ bezeichnet.
Eine neue Variation des ewig Gleichen.

Wie schafft es der Autor, es so hinzuwurschteln, daß einfache Gemüter ihm womöglich glauben? Oder zumindest er sich selbst?

Erstens, durch eine Umdeutung: Er vertauscht die Kategorien „Pflegekind“ und „geflüchtetes Kind“.

Natürlich sind oder werden nicht alle geflüchteten Kinder Pflegekinder, und nicht alle Pflegekinder sind geflüchtet. Die Kategorie paßt einfach nicht, um etwas Allgemeines über die Situation von geflüchteten Kindern auszusagen.

Zweitens, um herauszufinden, ob Geflüchtete anders behandelt werden als deutsche, hätte man sinnigerweise die Situation geflüchteter Pflegekinder mit der von deutschen Pflegekindern vergleichen müssen.

Beziehungsweise die Sozialleistungen von deutschen HartzIV-Beziehenden mit denen geflüchteter HartzIV-Beziehender.

Stattdessen vergleicht der Autor die Leistungen für geflüchtete Kinder, die als Pflegekinder von der Sachkosten-Entschädigung leben, die das Jugendamt ihren Pflegeeltern zahlt, mit den Leistungen für deutsche Kinder, die von HartzIV leben.

Drittens, er schlägt die Aufwandsentschädigung, die Pflegeeltern als Gegenleistung für die Pflege bekommen, kurzerhand auf den Lebensunterhalt für die Pflegekinder auf.

Dabei hat es die von ihm verlinkte Rhein-Neckar-Zeitung doch richtig erklärt:

Dies vergleicht er mit dem Regelsatz für Kinder, die von HartzIV leben, plus Miete und ein paar Zerquetschte.

Dabei setzt er, viertens, für die Quadratmetermiete unglaubliche 4,17 € an, und rechnet so den Vergleichswert auf dieser Seite nochmal herunter.

Fünftens geht er dann darauf ein, daß Erwerbslose häufig praktisch jeden Euro einzeln vom Jobcenter einklagen müssen.

Dies trifft auch zu.

Nur wie er auf die Idee kommt, daß dies für Geflüchtete, und insbesondere geflüchtete Kinder bzw. (deren) Pflegeeltern nicht mindestens genauso gilt, bleibt sein Geheimnis. Dennoch stellt er es so gegenüber.

Diese fünf Punkte sind, so auf die Schnelle betrachtet, oberfaul.

Pflegeeltern mit konkreten Erfahrungen, wieviel man wirklich bekommt und wofür, könnten die Behauptungen sicherlich noch weit besser einordnen als ich, und sind herzlich zum Kommentieren und Ergänzen eingeladen.

Die Behauptung, geflüchteten Kindern ginge es materiell viel besser als Kindern im HartzIV-Bezug, ist offenkundig ohne jede Bemühung um Realitätsbezug selbstgebastelt und schwer manipuliert und manipulativ, aber dafür umso geeigneter, gegen Geflüchtete Stimmung zu machen, und wie man im weiteren Text sieht, geht es streckenweise auch genau darum.

Selbst wenn man ausschließlich diejenigen geflüchteten Kinder betrachtet, die tatsächlich Pflegeeltern brauchen UND (gute) Plegeeltern vorfinden: Ein etwaiger materieller Vorteil gegenüber dem HartzIV-Bezug würde nach meiner Schätzung aufgrund der Angaben der zitierten Zeitung maximal etwa hundert Euro betragen (und zwar nur, wenn der Zeitung gegenüber realistische Angaben gemacht wurden, die die Zeitung richtig interpretiert und kritisch hinterfragt hat UND die Betroffenen das Geld auch tatsächlich erhalten, erfahrungsgemäß alles große Unwägbarkeiten).

Einen solchen materiellen Vorteil müßte man ja dann schon irgendwie mit der Erfahrung von Krieg, Flucht und Verlust der Eltern… Hallo? Für’n Hunni?

Ich stelle mir vor, der „Eifelphilosoph“ würde in einem Schlauchboot auf dem Mittelmeer sitzen, als Kind, mit seinen Eltern. Würde er wohl die Eltern aktiv über Bord schubsen wollen, oder, nur, hoffen, daß sie von selbst aus dem Boot fallen, damit er in Deutschland ein paar Kröten mehr bekommt?

Es ist menschlich bizarr, um mal ein ganz schwaches Wort zu benutzen, Neid auf elternlose geflüchtete Kinder zu schüren.

Auch für die andere Seite gilt: Glück hat, wer in Pflege kommt, wegen ein paar Euro extra.

Aus dem Text erschließt sich nicht, ob der Autor traumatische Erfahrungen generell bagatellisiert, oder ob er diskriminierend speziell geflüchtete Kinder genauso wie Kinder im HartzIV-Bezug einfach als eine Art Kartoffelsäcke ohne Gefühle betrachtet und nicht als richtige, normale Menschen, die „Glück haben“, wenn sie zu Pflegeeltern kommen, und nicht unter den damit verbundenen Erfahrungen leiden.

Auch Facebook war anscheinend nicht so richtig begeistert über den fiesen Blödsinn:

Jetzt ist der „Eifelphilosoph“ ganz empört, daß man ihn kritisiert hat, und versucht, leider nicht sehr originell, die Kritik als Beweis hinzustellen, daß er recht hat, statt sich inhaltlich mit ihr auseinanderzusetzen.

Ich bin nicht auf Facebook, wer es sich anschauen mag, gerne in der Kommentarspalte berichten.

Interessant finde ich auch, daß er seinen eigenen Angaben zufolge eine Frage „vorgegeben“ hat (aufgrund welcher Autorität eigentlich?), und zwar eine, die voraussetzt, daß seine manipulierten Angaben „von der Regierung festgelegte Zahlen“ seien.

Auch das ist eine Form der Manipulation, einer Diskussion einen inhaltlichen Rahmen zu geben, der (manipulierte) Prämissen nicht in Frage zu stellen erlaubt. Doch wie man sieht, gehört da auch die Macht dazu, diesen Rahmen auch durchzusetzen, und die hat der „Eifelphilosoph“ offenbar auf Facebook nicht.

Dann wird noch schön offengelegt, daß der Autor sich sehr wohl bewußt ist, daß er willkürlich geflüchtete Pflegekinder herauspickt, weil das besser zu seinen Behauptungen paßt.

Diese Zahlen kann man deswegen nämlich so gut nutzen, um rechte Propaganda zu machen, weil sie extra dafür vom „Eifelphilosophen“ zurechtgebastelt wurden.

Genauso, wie es auch andere Rechte machen, mit denen der Autor hier versucht, andersherum zu argumentieren, um seine eigenen Manipulationen als etwas davon Verschiedenes abzusetzen.

Die Behauptung, daß NazigegnerInnen die Aktivitäten der NPD nicht wahrnehmen würden, dürfte keiner näheren Überprüfung standhalten.

Mit den von Linken angeblich stattdessen kritisierten „Kapitalismuskritiker, Kriegsgegner, TTIP-Gegner und Monsantoverächter“ sind vermutlich die vereinigten Verschwörungsideologen, Reichsbürger, Antisemiten und Rechtsesoteriker gemeint, denn gegen Kapitalismuskritik und Antimilitarismus hat die Linke notorisch nichts.

Indem er die kritisierte Personengruppe unzutreffend benennt (wie er es auch vorhin mit Pflegekindern / geflüchteten Kindern gemacht hat), stellt er auch die Kritik und die KritikerInnen völlig verzerrt dar.

Linke stellen sich sehr engagiert gegen Hetze und Angriffe gegen Geflüchtete, und das betrifft gleichermaßen die NPD und Manipulationen wie die des Nachrichtenspiegels.

Die benannte Kritk auf Facebook und der manipulative Umgang damit deuten darauf hin, daß dies dem Autor auch bewußt ist.

Übrigens ist hier auch die einzige Stelle, an der der Autor klar sagt, daß es ihm um „Eingeborene“ geht, wenn er geflüchtete Pflegekinder mit Kindern im HartzIV-Bezug vergleicht. Denn HartzIV beziehen ja auch Nichtdeutsche, übrigens auch Geflüchtete, deren Asylantrag erfolgreich war, und ja: auch deren Kinder.

Die Zahlen sind angeblich nicht deswegen geeignet, aufzuwiegeln, weil sie dafür zurechtgebogen und vom Autor auch dafür eingesetzt werden, sondern, weil sie „Gerechtigkeitsempfinden verletzen“ würden.

Ich bestreite auch gar nicht, daß Gerechtigkeitsempfinden existiert.

Es bedeutet, daß man das, was man als ungerecht bewertet, auch emotional als abstoßend empfindet.

In dem Text geht es darum, zu bewerten, was gerecht ist und was ungerecht.

Daß geflüchtete Kinder angeblich mehr Geld bekommen als deutsche, soll als ungerecht dargestellt werden, und für diese Position wirbt der Autor („argumentieren“ würde ich dazu nicht sagen wollen).

Bewertungen gehören eigentlich in den kognitiven Bereich, auch wenn die eingesetzten Mittel darauf hindeuten, daß der Autor eher die Emotionen der Lesenden ansprechen möchte.

Die Emotion, die auf diese Weise angesprochen wird, heißt allerdings nicht „Gerechtigkeitsempfinden“. Sie heißt NEID.

Auch hier versucht der Autor wieder vorauseilend (womöglich im Bewußtsein seiner argumentativen Schwäche), seine Spuren zu verwischen, die von ihm manipulierten Daten als „Fakten“ außer Diskussion zu stellen und den Neid, den er zu erregen hofft, auf diese „Fakten“ zurückzuführen statt auf seine eigene Hetze.

Ein wahrhaft mitleiderregendes Bild. Zum Glück werden Pflegeeltern in Wirklichkeit auf ihre Eignung hin überprüft, verbunden mit der Hoffnung, daß solche Szenen ausgeschlossen werden können. Doch selbst wenn es eins zu eins zutreffen würde, was der Autor weiter oben über den Lebensunterhalt für Pflegekinder behauptet hat, zwingt dies de facto die Pflegeeltern nicht, ihre eigenen Kinder schlechter zu behandeln, und selbst wenn sie es täten, zwänge das die leiblichen Kinder nicht, zu Nazis zu werden.

Der vom Autor dargestellte Automatismus, daß der manipulativerweise behauptete Sachverhalt (riesiger Unterschied beim Lebensunterhalt für geflüchtete und deutsche Kinder) zu Szenen wie der beschriebenen führt, ist erkennbar eine Phantasiekonstruktion.

Diese Form bezeichnet man auch als „Dammbruchargument“: Imaginierte schlimme Folgen werden als unausweichlich dargestellt.

Hier auch gemischt mit einem klassischen Strohmann-Argument: Der Autor tut so, als hätte irgendwer behauptet, Kinder, die unter Willkür-Entscheidungen ihrer Eltern leiden, seien Nazis, und weist diese von ihm zu diesem Zweck erfundene implizierte Behauptung zurück.

Für Geraune über „die Hintergrundmächte in den vereinigten Staaten von Amerika“ ist immer ein Plätzchen frei. So viel Zeit muß sein!

Selbstverständlich gehören da auch „Geheimbünde“ dazu, in Form von mehr Geraune und dunklen Andeutungen, und Gejammer darüber, wie gemein der RdW* auf sowas reagiert.

Und jetzt wird es noch bizarrer. Doch, echt!

Denn der Autor ist ja kein Unmensch. Er ist gegen Fluchtursachen und Krieg und so:

Im Gegensatz zu allen, die das lesen, kann der Autor durchaus wissen, was der Krieg gekostet hat, obwohl die Kosten verschleiert werden. Seine privilegierten Informationen, aufgrund derer er anderen Leuten die Welt erklären kann, hat er nämlich aus der Zeitung. Echt!

Wer bis zu dieser Stelle sein Gehirn immer noch eingeschaltet hat und trotzdem weitergelesen hat, reibt sich verwundert die Augen: wie, jetzt sollen die selben Personen auf einmal dieses ganze Geld bekommen? Aber ein paar Kröten mehr für den Lebensunterhalt von geflüchteten Pflegekindern, das geht gar nicht? Das muß auch noch aufgeblasen und verdreht werden, um die „archaische Gefühle“ ordentlich anzuheizen?

Wie denn nun?

(En passant wird auch noch dem Thema IS ganz sachgerecht entsprochen.)

Ja, wie denn nun, dazu folgt dann noch einiges. Hier bleiben keine Fragen offen.

Wer damit klar kommt, daß geflüchteten Kindern ohne Eltern ein ausreichender Lebensunterhalt finanziert wird, der wird hier ganz übel denunziert. Die Unterstellung: Daß dies nämlich aus Selbstverliebtheit geschieht,um sich toll vorzukommen, und nicht etwa als menschliche Selbstverständlichkeit, was von Nazis zu recht als „Gutmenschentum“ bezeichnet würde. Ganz unverhüllt macht sich der „Eifelphilosoph“ hier die Position von „Alltagsnazis“ (seine Worte) zu eigen.

Wenn Kriegsopfer Geld bekommen, sei es „ein Schlag ins Gesicht“ für Erwerbslose.

Nun, ich bin erwerbslos, und übrigens bin ich dazu noch wohnungslos, und wurde schon mehrfach vom Jobcenter sanktioniert, einmal sogar bis auf 150 Prozent. Ein Schlag ins Gesicht ist für mich diese widerwärtige Hetze. Ein Schlag ins Gesicht ist für mich, wenn mitten in Berlin tausend Menschen bei glühender Hitze tagelang mit einem Wasserhahn und zwei Dixie-Klos für alle zusammen versorgt werden, während sie vor dem LAGeSo auf ihre Registrierung warten. Die Angriffe der Politik auf das Existenzrecht und die Menschenwürde von Geflüchteten gilt genauso dem Existenzrecht und der Menschenwürde an sich, und damit auch genauso meinem Existenzrecht und meiner Menschenwürde. Das ist ein Schlag ins Gesicht, und die Dreistigkeit, Dummheit und Niedertracht, mit der ich als deutsche Erwerbslose hier gegen Menschen aufgehetzt werden soll, denen es noch schlechter geht als mir, die sind ein Schlag ins Gesicht, und daß ich in so einem Text zitiert werde, das ist überhaupt der krasseste Schlag ins Gesicht.

Das unglaublich Verschwurbelte und Verdrehte seiner kruden Weltsicht soll jetzt als „kompliziert“ verkauft werden. Der Autor stellt sich als besonders klugen Menschen hin, der uns komplizierte Zusammenhänge erklärt.

Naja, daß er seine LeserInnen für ziemlich dumm hält, kann ich mir dem ganzen Text nach zu urteilen gut vorstellen.

Seinen eigenen Text will er als positiven Gegensatz zu „Geblöcke“ [sic] verstanden wissen.

Humor beweist seine positive Bezugnahme auf „politische Bildung“.

Politische Bildung ist das, was einer dazu verhilft, seine Manipulationen zu durchschauen.

Und jetzt kommt auch der Begriff „Omega-Kinder“ ins Spiel. Das sind die deutschen Kinder, die von HartzIV leben. Spoiler: Die „Alpha-Kinder“, das sind geflüchtete Kinder.

Hier wird im Folgenden noch richtig an einem Mythos gestrickt. Deutsche als Opfer, und zwar als Opfer von Geflüchteten. Das ist Rassismus pur, und total durchgeknallt.

Anschließend geht es um Hunger. Hunger ist, laut dem „Eifelphilosophen“, nicht gut, obwohl er gleichzeitig anderen den Lebensunterhalt mißgönnt. Das muß man nicht verstehen. Auch am Krieg ist nur der Hunger schlimm, andere schlimme Folgen des Krieges kennt er nicht, ganz kleine Kostproben:

So, und zwischendurch sollen jetzt wieder alle Menschen auf der Welt tausend Euro monatlich kriegen:

Solange sie schön weit weg sind. Daß das nicht etwa sarkastisch gemeint ist, zeigt der Verweis auf einen Zeitungsartikel, der umweltschädliche Subventionen in schockierender Höhe auflistet, und der Vorschlag, dieses Geld entsprechend umzuwidmen. Bloß wenn Menschen, die sich hier in Deutschland aufhalten, und hier in einer sehr viel schwächeren Position sind als „Eingeborene“, tatsächlich Geld für ihren Lebensunterhalt bekommen, dann ist es plötzlich ja doch ein Problem, gar ein „Schlag ins Gesicht“.

Ja wer ein bedingungsloses Grundeinkommen will, der muß schon damit klarkommen, daß das auch andere bekommen???

Buzzword-dropping: „Alpha-„ und „Omegakinder“, „Gutmenschen“ „Verwertung“, „verrotten“, und ein Neues: „selektieren“. Das muß man sich jetzt echt auf der Zunge zergehen lassen.

Im Zusammenhang mit dem restlichen Text: Geflüchtete Pflegekinder bekommen (angeblich) mehr Geld als „eingeborene“ HartzIV-beziehende Kinder. Damit den Begriff „selektieren“ zu verbinden, ist echt richtig perfide.

Der Autor setzt allen Ernstes sein Hirngespinst, daß geflüchtete Kinder deutschen Kindern vorgezogen werden, mit dem gleich, was in Auschwitz an der Rampe durchgeführt wurde. Von Deutschen, niemals vergessen.

Und er geht richtig ab:

Damit, daß Erwerbslose wie Dreck behandelt werden, hat der Mann recht. Dem gegenüberzustellen, daß Geflüchtete einen Teddybären bekommen, ist jedoch wirklich surreal. (Für den schwachen Ausdruck bitte ich um Entschuldigung.)

Von allem, was Geflüchtete so kriegen, sei es, daß sie mit gewaltsamer Verschleppung („Abschiebung“) bedroht werden, sei es, daß ihnen das Recht auf Mindestlohn abgesprochen wird, d.h. für den Fall, daß es ihnen erlaubt wird, zu arbeiten, sei es der normale Alltagsrassismus oder gesteigerte Hetze wie die des Nachrichtenspiegels, sei es, daß ihnen zusammen mit der Registrierung auch die Unterbringung, Essen und jede Art der Versorgung vorenthalten wird, oder seien es Brandanschläge auf ihre Unterkünfte: Von allem, was Geflüchtete bekommen, wählt der Autor die Gabe eines (vermutlich gebrauchten) Teddybären aus, um Neid auf Geflüchtete zu schüren.

Man reiche ihm einen Teddybären.

Vielleicht hat der Autor wirklich kein Problem mit dem zunehmenden gewalttätigen Rechtsterrorismus in Deutschland.

Wo das Problem mit der Gerechtigkeit seiner Auffassung nach liegt, das haben wir gesehen: Nämlich, daß er eine Riesen-Panik davor hat, daß geflüchtete Kinder womöglich mehr kriegen als deutsche.

Dies sei „Staatsversagen“, und dort würde das eigentliche Problem liegen.

Damit sollten sich Linke seiner Meinung nach befassen. Mal zur Erinnerung: Linke, das sind die, die sich inzwischen täglich irgendwo in Deutschland rechten Schlägertypen in den Weg stellen. Der Autor, der so mutig dagegen vorgeht, daß elternlose, geflüchtete Kinder womöglich zu viel Geld bekommen, sagt einfach, Rechte seien kein Problem, und hakt das Thema ab. Und wirft den Linken Feigheit vor.

Gleichzeitig aber „schreiten“ die Rechten, die kein Problem sind, „von Triumph zu Triumph“.

Da ist ihm wohl selber ein wenig schwindelig geworden.

Und hier zitiert er jetzt mich, ich hätte nämlich eine Idee, „wie man das Kinderprekariat vollständig auslöschen könnte“:

In dem Text, der hier zitiert und verlinkt ist, habe ich mich kritisch darüber geäußert, daß offenbar wissenschaftliche Forschung nötig ist, um zu beweisen, daß Geld die finanziellen Probleme armer Menschen lindern kann. Die klare Stoßrichtung ist, daß man das halt einfach endlich mal machen soll.

Wen der „Eifelphilosoph“ meinen Text in diesen Zusammenhang stellt, scheint er die geflüchteten Pflegekinder, an denen er sich so hochzieht, irgendwie von der Gruppe derjenigen auszuschließen, deren finanzielle Probleme man mit Geld beheben kann.

Ich weise nochmal ausdrücklich darauf hin, daß ich nicht nur keine solche Unterscheidung getroffen habe, sondern sie auch ausgesprochen bizarr finde.

Wiederholung ist auch so ein Stilmittel, was man anwenden kann, wenn man keine Argumente hat. Daß Deutschland kein Problem damit hat, daß Rechte jeden Tag dreister und gewalttätiger werden, ist ein schlimmer Alptraum, und trifft zum Glück auch nicht so richtig zu.

Wenn Linke sich um das vom „Eifelphilosophen“ konstruierte „Gerechtigkeit“sproblem kümmern würden, sprich, sich seiner Neid-Tirade anschließen würden, dann würden sie einen Kernbereich dessen preisgeben, was „links“ bedeutet, und könnten halt nicht so recht gleichzeitig links sein.

So erklärt sich die Sache.

Auch hier wieder: „Pech“ ist angeblich: Friede, dafür ein paar Kröten weniger, und „Glück“: Krieg, Verlust der Eltern, dafür ein paar Kröten mehr.

Da kann man dem „Eifelphilosophen“ doch nur empfehlen, sich schleunigst für ein paar Jahre nach Syrien zu begeben, die dortige Staatsbürgerschaft zu erwerben, und anschließend von dort zurück nach Deutschland zu fliehen, um in den Genuß all der Privilegien zu kommen, die Geflüchtete hier angeblich genießen.

Wieso können solche Typen da bloß immer nicht von selbst drauf kommen?

Die Spekulation, was „ein kleines irakisches Mädchen“ lieber gehabt hätte, ohne Anspruch auf Realitätsbezug, z.B. wie es sich im Irak tatsächlich so lebt.

OK, also wer denkt, für Soziales sei kein Geld da, ist ein „Bessermensch“, wer aber denkt, daß bloß für elternlose geflüchtete Kinder kein Geld da ist, und ausrastet, wenn Geflüchtete einen gebrauchten Teddybären bekommen, was ist dann der?

Würde mich echt mal interessieren.

Und hier kommt zuguterletzt noch ein Beispiel dafür, warum Nazivergleiche bei Antifaschistinnen eine solche Wut auslösen. Die Kernthese, daß Geflüchtete mehr Geld bekämen als „eingeborene“ HartzIV-Beziehende, die nur durch erhebliche Manipulationen aufrechtzuerhalten ist, den ganzen damit verbundenen Rassismus und die Hetze, die Konstruktion, daß besagte „Eingeborene“ Opfer seien, und zwar nicht etwa der neoliberalen Agenda 2010, sondern die Opfer geflüchteter elternloser „Alpa-Kinder“, mit Faschismus gleichzusetzen, und sich selbst in die Rolle eines Kämpfers für soziale Gerechtigkeit und gegen Faschismus hineinzuphantasieren, den man gleichzeitig mit einem solchen Text nährt und anheizt, ist an Widerlichkeit schwerlich zu überbieten.

Hier weitere Beispiele.

Es überrascht nicht im Geringsten, daß dieses Posting dann auch gleich von einem Reichsbürger-Blog übernommen wurde:

Insgesamt ein Haufen Bullshit, der sogar mit dem Ausstoß der Bundesagentur für Arbeit konkurrieren kann.

Und dabei hab ich nur kleine Ausschnitte besprochen.

Wie die Kommentarspalte zeigt, sind auch schon etliche drauf reingefallen.

Wer sich das Ganze im Zusammenhang ansehen möchte, hier ist ein Screenshot von Allem.

Kein Fußbreit!

———-
* RdW: Abkürzung für „Rest der Welt“

Update

Der Eifelphilosoph hat hier einen Kommentar hinterlassen.

Es geht im Prinzip darum, daß ich ihn ja nur ganz doll mißverstanden habe, weil er ja gar kein Rechter ist, Überraschung, das sind sie ja alle nicht. Sowas hab ich einfach ungern in der Kommentarspalte.

Ich habe es schon oft bedauert, daß es recht unüblich scheint, für das, was man sagt und schreibt, selbst Verantwortung zu übernehmen. Der Effekt, daß man so tut, als würde es ausreichen, etwas Bestimmtes gemeint!!! zu haben, auch wenn man das Gegenteil geschrieben hat, beschränkt sich bei Weitem nicht auf rechte Hetzer.

Wenn jemand gegen Geflüchtete oder sonst wen hetzt, oder einfach nur Bullshit schreibt, dann ist mir wurscht, wie es gemeint war, dann beziehe ich mich auf das, was gesagt bzw. geschrieben wurde, und das verschwindet nicht dadurch, daß es anders gemeint ist.

Ich gehe auch davon aus, daß wenn es mir wirklich so wahnsinnig wichtig ist, keine Hetze oder keinen Bullshit zu verbreiten, daß ich dann auch – und zwar gerne – die Verantwortung dafür übernehme, es auch tatsächlich sein zu lassen.

Oder, wenn mir das nicht gelungen ist, daß ich dann wenigstens das Gesagte zurücknehme, klarstelle, mich distanziere, wie auch immer – bevor ich rumheule, daß ich falsch verstanden wurde.

Ich hätte dies auch ruhig als Antwort auf den Kommentar des Eifelphilosophen schreiben können. Wenn ich den durchlassen würde. Allerdings habe ich auch gesehen, daß der Eifelphilosoph gleichzeitig auf seinem eigenen Blog in der Kommentarspalte über mich herzieht, während er in meiner behauptet ich denke, wir sind im Prinzip politisch gar nicht weit auseinander.“

Das bestätigt zumindest meine These, daß der Mann mich wirklich für ziemlich dumm hält. Oder es vielleicht einfach nur selber ist.

In meiner Kommentarspalte schreibt er:

„ Ich schätze mal: Sie haben keine Kinder, ich schon. Allerdings lebe ich als Behinderter mit einer staatlich gekürzten Rente, die aus meinen Kindern “Hartzer” macht: ich erlebe ihre Ausgrenzung in Schule und Gesellschaft täglich …“

Also, seine prekäre Lebenssituation macht ihn praktisch schlau, so daß er mich belehren muß.

In seinem eigenen Blog schreibt er in die Kommentarspalte:

„Schade, dass die Dame den Text nicht verstanden hat, aber ich sehe ja: sie bekommt Hartz IV, ist gelegentlich zu 150 % sanktioniert und momentan obdachlos…“

Also, meine prekäre Lebenssituation führt praktisch dazu, daß ich dumm bin, so daß er mich belehren muß.

Die Logik und Kohärenz von dem Mann ist irgendwie nicht besser geworden.

So schreibt er in seiner eigenen Kommentarspalte über mich: „… und momentan obdachlos – da kann der Hass schon mal mit einem durchgehen. Na ja – ich versuche, so klar und gründlich wie möglich zu argumentieren … aber wirklich jeden kann ich nicht erreichen. Vielleicht findet die Schreiberin ja jemanden, der ihr den Text erläutern kann? Oder sie sucht weiter Nazis und Hetze, wo gar keine ist – das Hobby haben ja viele derzeit. Menschenjagd ist angesagt – da können sich viele nicht zurückhalten, da zeigt sich, wer nur oberflächlich links ist, im Herzen aber ein Menschenfeind.“

Will aber gleichzeitig in dem Kommentar, den er hier bei mir abgelassen hat, von mir: „ Vielleicht können Sie sich ja durchringen, diese Gegendarstellung im Sinne unseres demokratischen Presserechtes zu Ihrer Analyse hinzuzufügen“.

Nun, ich werde dem mit derselben Selbstbeherrschung begegnen, die auch meine vorige Auseinandersetzung mit den Erzeugnissen des Eifelphilosophen prägte.

Weiteres Update: „In der Diskussion über die angeblich zu hohen Kosten für die Betreuung von Flüchtlingen geraten nun die unbegleiteten Minderjährigen unter den Asylsuchenden ins Visier populistischer Forderungen. Der Städte- und Gemeindebund forderte eine Absenkung der Betreuungsstandards, weil die Kosten zu hoch seien. Die Versorgung der jugendlichen Flüchtlinge müsse aus dem Kinder- und Jugendrecht herausgenommen werden, sagte DStGB-Sozialexperte Uwe Lübking der »Welt«.

Ähnlich äußerte sich die Union. »Wir gehen mit diesen Jugendlichen, meist sind es 16, 17 Jahre alte Jungs, so um, als handele es sich um deutsche Kinder, die wegen Kindeswohlgefährdung aus ihren Familien genommen werden müssen, mit Vormund und intensiver Betreuung«, sagte der Vize-Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Kretschmer.“

Zitiert aus dem nd.

Herzlichen Glückwunsch, Nachrichtenspiegel.

Weiteres Update

Und natürlich ist Bullshit nicht dadurch totzukriegen, daß man ihn widerlegt, denn wenn es darum ginge, etwas Sinnvolles oder Zutreffendes zu sagen, hätte man das ja von vorneherein tun können. So behauptet nwzonline mit Datum 22.3.2016 unter der Überschrift „Hartz-IV-Familien dürfen nicht benachteiligt werden“, daß geflüchtete Kinder beim Schulbedarf einen Vorteil hätten gegenüber deutschen, Hartz IV beziehenden Kindern, um damit zu beweisen, daß es Geflüchteten besser geht als deutschen. Widerlich, unwahr, dumm.

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2 Gedanken zu “Neue Variation von „Geflüchtete kriegen wahnsinnig viel Geld vom Staat“

  1. Hallo,

    mal was zum Geld, das für umF (unbegleitete minderjährige Flüchtlinge) vom Staat bereit gestellt wird. Die oben zitierten 945€ gelten für Jugendliche ab dem 13. Lebensjahr. von 7J bis Ende 12J sind’s 858€, von 0J bis Ende 6 sind’s 777€. Davon sind 269€ als „Lohn“ für die Arbeitszeit der Pflegeeltern gedacht, der Rest – also je nach Alter 508€, 589€ oder 676€ – für den Lebensunterhalt des Kindes. Das Geld wird den Pflegeeltern ausgezahlt und muss – unabhängig vom Einkommen – nicht versteuert werden.

    Davon sind zu bezahlen: Kleidung, Schulkosten (für längere Klassenfahrten gibt es einen Zuschuss von 18€/Tag), Miete, heizen, Handy (ganz wichtig für den Kontakt zu z.B. Eltern!), ÖPNV für den Schulweg .. was halt so anfällt im Leben in Deutschland. Für die Ersteinrichtung eines Zimmers gibt es zusätzlich einen Zuschuss von ~1000€, für Erstausstattung Kleidung ~400€.

    Bevor ein Kind zu Pflegeeltern ziehen darf, müssen die ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis, Einkommensnachweis und Gesundheitsattest vorlegen, Fragen zur Familie beantworten und ihre Wohnung vom Jugendamt abnehmen lassen. Die Kinder/Jugendlichen haben einen Vormund, der bei „gravierenden“ Dinge das letzte Sagen hat (zB Operationen, Schulwechsel), die Pflegeeltern kümmern sich um die „alltäglichen“ Dinge. Ob sie das gut machen, wird regelmäßig vom Jugendamt oder dem Vormund überprüft.

    Dazu kommen noch Aufgaben wie „Kultur des Herkunftslandes nicht vergessen lassen, Kultur des Gastlandes (also Deutschland) beibringen, Kontakt zu den leiblichen Eltern ermöglichen ua mehr.

    Es mag für Fremdenhasser überraschend und unerträglich sein: diese Zahlen und Regeln gelten unabhängig von der Nationalität eines Pflegekindes. In Deutschland werden (zumindest nach dem Gesetz) alle Kinder, deren Eltern die Erziehung aus welchen Gründen auch immer nicht wahrnehmen können, vom Jugendamt in Obhut genommen und – falls sie es wünschen – in Pflegefamilien gegeben.

    In dem Sinn,
    viele Grüße von Tom

    PS: umF bekommen in lt Auskunft des Jugendamtes der Regel kein Kindergeld, deutsche Kinder wohl. Das liegt daran, dass das Kindergeld, welches normalerweise den leiblichen Eltern ausgezahlt wird, nun an die Pflegeltern geht. Ein Teil (25%-%)59 des Kindergeldes wird auf die Standardauszahlung angerechnet.

    PPS: Die Infos sind recht aktuell. Bei uns ist vor Kurzem ein Junge aus Eritrea eingezogen, wir wohnen im Einzugsbereich der Rhein-Neckarzeitung, die ganz oben zitiert wird.

    PPS: Aktuell gibt es ~55.000 umF in Deutschland. Nicht alle suchen eine Pflegefamilie, aber ganz viele der Jugendlichen (die meisten sind Jungs >= 16 Jahre) wünschen es sich. Und am Ende des Tages spielt Geld dabei überhaupt keine Rolle!

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