#LAGeSo: Doch kein Todesfall – soll Czaja deswegen jetzt etwa bleiben?

So, nachdem heute den ganzen Tag darüber debattiert wurde, ob die Nachricht jetzt bestätigt genug ist oder nicht, daß ein geflüchteter Syrer nach tagelangem Schlangestehen am Berliner LAGeSo verstorben ist, scheint es jetzt geklärt, daß es wohl doch nicht so ist.

Die große Frage: Was soll man jetzt davon halten? Wie der Tagesspiegel richtig bemerkte:

„So verworren der Fall auch ist, so gibt es doch eine Erkenntnis: Unabhängig davon, ob der Syrer existierte oder nicht, hat niemand – nicht die Politik, nicht die Presse, nicht die Helfer – den Tod eines Menschen am Berliner Lageso auch nur einen Moment lang für unwahrscheinlich gehalten.“

Jetzt sieht es fast so aus, als würde die Nachricht, daß niemand gestorben ist, sich für Mario Czaja, der als Sozialsenator praktisch ein Leben am Abgrund führt, sogar noch positiv auswirken, als hätten diejenigen, die heute erneut seinen Rücktritt forderten, plötzlich Unrecht damit, weil es letzte Nacht doch noch nicht so weit war, daß jemand gestorben ist.

Hochoffiziell hat sogar Moabithilft schon befürchtet, daß, wenn die Nachricht sich als falsch herausstellt, das Ansehen der ehrenamtlichen HelferInnen stark darunter leiden würde, dies wäre gar eine Katastrophe.

Doch wieso eigentlich?

Ganz ehrlich. Wieso muß man denn unbedingt warten, bis tatsächlich jemand gestorben ist?
Daß dies früher oder später passieren muß, wenn man denselben Pfuscher und Arbeitsverweigerer weiterhin ranläßt, ist doch allen Beteiligten seit Monaten klar.

Es ist doch wirklich eine sinnvollere Reihenfolge, sich erst nochmal richtig zu empören, erst Mario Czaja endlich endlich endlich aus dem Amt zu entfernen, bevor es so weit ist, und nicht erst hinterher.

Insofern gibt es heute eine weitere Chance, und das ganz ohne daß tatsächlich ein geflüchteter Mensch dafür sterben mußte.

Die Nachricht von heute hat deutlich vor Augen geführt, daß es keine Entschuldigung für Czajas Verbleib im Amt gibt, und zwar völlig unabhängig davon, ob die Nachricht inhaltlich zutrifft oder nicht.

Nach Auskunft der Polizei scheint es sich tatsächlich um eine bewußte Unwahrheit gehandelt zu haben, doch das Herumgeunke, dies würde jetzt ganz schrecklich auf die ehrenamtlichen HelferInnen zurückfallen, kann ich nicht teilen.

Erstens kann das nur geschehen, wenn jetzt alle HelferInnen in Gruppenhaftung genommen werden, und das wäre voll daneben. Zweitens kann man in diesem Zusammenhang auch wirklich niemandem (außer den für das LAGeSo Verantwortlichen) den Vorwurf machen, daß hier irgendetwas ausgelassen wurde, um der Situation mit weniger drastischen Mitteln zu begegnen.

Alles andere wurde einfach schon versucht, und zwar vergeblich.

Mario Czaja wurde sogar von 40 AnwältInnen angezeigt, das muß ihm erstmal jemand nachmachen, mal abgesehen von der laufenden Berichterstattung, den Warnungen von Sozialverbänden, der internationalen Kritik, den Rücktrittsforderungen der Opposition etc. etc. etc.

Bevor man sich über Dirk Volz aufregt, muß man sich vor Augen halten, daß – und zwar vor aller Öffentlichkeit – NICHTS NICHTS NICHTS anderes funktioniert hat.

Darum hoffe ich, daß wenigstens das funktioniert, und daß jetzt nicht NOCH weiter gewartet wird.

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Ein Gedanke zu “#LAGeSo: Doch kein Todesfall – soll Czaja deswegen jetzt etwa bleiben?

  1. Die Kehrseite dieser Idee des, -nennen wir es prophylaktischen- Alarms ist aber – soweit ich die deutsche Sagenwelt kenne- bereits im Märchen vom Knaben, der vor dem bösen Wolf warnte, beschrieben.

    Gäbe es also wirklich „Antragsstellungsversuche mit Todesfolge“, hielte sich die öffentliche Wallung doch sehr in Grenzen, wage ich zu vermuten: Von „Mußte ja so kommen“ bis hin zu „Bedauerlicher Einzelfall“ nebst dezentem virtuellem sh*tstorm. Dem Vorstand würde jedenfalls niemand disziplinarisch einen auf die Mütze geben oder gar Bezüge/Pension kürzen.

    Oder erinnert sich noch jemand an den Hungertoten von Speyer?

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