Warum schreibe ich überhaupt?

Jedenfalls bestimmt nicht, weil ich es gerne tue!

Auch nicht, weil ich über so angenehme Sachen schreibe, oder mein Leben dadurch schöner wird.
Dazu wäre ich auch zu faul.

Die Wahrheit ist, ich schreibe überhaupt gar nicht gerne.

Das einzige, was ich noch schlimmer finden würde, wäre, wenn niemand die Dinge schreibt, die ich schreibe. Und nur diese Dinge schreibe ich.

Vielleicht schreibe ich auch einen Haufen Sachen, die viele Andere schon geschrieben haben, ich habe es nur nicht mitgekriegt. Naja, wo gehobelt wird, da fallen Späne. Würde ich versuchen, wirklich alles mitzukriegen, würde ich nichtmal das bißchen schreiben, was ich zu schreiben schaffe, und das würde dann eventuell auch noch ungeschrieben bleiben.

Ich will nicht in einer Welt leben, in der ich die einzige Peson bin, die so denkt wie ich. Und weil andere scheinbar nicht von selber so denken wie ich, versuche ich eben nachzuhelfen. Ich muß auch nicht unbedingt in einer Welt leben, in der alle genauso denken wie ich, im Gegenteil: Ich will in einer Welt leben, in der auch über Sachen nachgedacht wird, auf die ich nie kommen würde oder für die ich keine Zeit habe etc.

Ich schreibe Dinge, die in der Welt gedacht werden sollen, in der ich leben will, und zwar nicht alleine von mir. So.

Womöglich denken die meisten Leute sowieso genauso wie ich, und verraten es nur nicht. Weil bloß niemand drüber spricht.

Gut, dann spreche ich eben drüber.

Vor Jahren im Radio, im Winter: Die HörerInnen sollen anrufen, und erzählen, was sie machen, wenn das Auto sich im Schnee festgefahren hat.

Es gibt zum Beispiel den Trick, die Fußmatten aus dem Innenraum unter die durchdrehenden Reifen zu legen.

Diejenigen, die den Trick kennen, sind noch nie auf die Idee gekommen, ihn weiterzuerzählen, weil sie denken, daß alle ihn kennen. Aber nur die Hälfte der Leute kennt ihn.

Dann stellt sich heraus, daß nur diejenigen den Trick kennen, die im Winter ihren Führerschein gemacht haben. Alle anderen erfahren nie von dem Trick, weil diejenigen, die ihn kennen, glauben, daß alle ihn kennen.

Manchmal denke ich, daß die Sachen, die ich schreibe, auch diese Eigenschaft haben. Sie sind vielleicht gar nichts besonderes, aber sie müssen mal gesagt werden, damit alle sie kennen (können), und nicht nur diejenigen, die nie auf die Idee kommen würden, sie weiterzusagen.

Eine Fleißarbeit.

Stockphoto: Ein gelbes Quietscheentchen sitzt auf einem Fensterbrett. Gegenüber sieht man die Ziegelmauer eines mehrstöckigen Gebäudes.

Dieser Text ist im Rahmen der Blogparade zum Thema Schreiben von Bloggerkollegin Madameflamusse entstanden.

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13 Gedanken zu “Warum schreibe ich überhaupt?

  1. Wow… deine direkte Aussage, dass du das Schreiben gar nicht magst ist mal etwas anderes. Ein interessanter Text. Ich finde den Punkt gut mit der Metapher der Automatte. Im Übrigen habe ich meinen Führerschein im Sommer gemacht und hatte auch keine Ahnung von diesem Trick. Solche Momente gibt es oft, wenn Dinge klar erscheinen, aber sie eigentlich nicht selbstverständlich sind, das stimmt.

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