Frank-Jürgen Weise: „Ich würde vorschlagen, einfach mal sechs Monate Ruhe zu geben. Danach wird abgerechnet.“

Ach ja? Warum nicht gleich abrechnen? Es ist höchste Zeit.

Weise verwandelt Menschen in Zahlenmaterial und behandelt sie auch so. Zuerst Erwerbslose, jetzt auch Geflüchtete.

Erstens, der Mann ist Militär, das heißt, er ist zuerst mal für den Krieg, das Töten und vor allen Dingen für Hierarchien ausgebildet. Nicht für den Frieden.

„Die Zeit als Berufssoldat hat den Führungsstil des Managers geprägt“ und „Einmal im Jahr rückt der Offizier Weise zu einer einwöchigen Übung in die belgische Hauptstadt ein. Im geordneten Durcheinander des nordatlantischen Verteidigungsbündnisses lebt er nach eigenen Worten richtiggehend auf“, schreibt die FAZ 2006 über ihn.

Seine Biographie in der Wikipedia ist da sehr aufschlußreich.

Zweitens, der Mann ist auch kein Demokrat (siehe erstens). Das sagte er hier schon mal relativ unverhüllt der Wirtschaftswoche.

Daß er der Landespolitik „sechs Monate Ruhe geben“ verordnen möchte, spricht auch nicht gerade für eine demokratische Gesinnung.

Gleichzeitig kritisiert er seinerseits mehrere Bundesländer dafür, daß sie nicht genug Menschen gewaltsam verschleppen („abschieben“).

Zudem sagte Weise, er dürfe nämlich deswegen nicht kritisiert werden, weil das nämlich gemein wäre den Beschäftigten gegenüber im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Wer die Pressearbeit der BA verfolgt hat, muß an dieser Stelle gähnen.
Dort ist es meist Heinrich Alt gewesen, der die Beschäftigten nach vorne geschoben hat, wenn er selbst kritisiert wurde.
Inzwischen scheint der Reflex gut eingeübt.
Mein Unverständnis gilt hier gleichermaßen denjenigen Beschäftigten, die sich das gefallen lassen, und einer Öffentlichkeit, die den Blödsinn schluckt – immer und immer wieder.

Allerdings muß man fairerweise dazusagen, daß Weise dem BAMF-Personalrat einen Maulkorb umgehängt hat.

Der Personalrat des BAMF hatte Weise damals nämlich einen offenen Brief geschrieben.
Kritikpunkte:

„Praktikanten entschieden inzwischen nach nur wenigen Tagen über menschliche Schicksale. … Ein weiterer Kritikpunkt ist die Einarbeitung neuer Entscheider im „Hau-Ruck-Verfahren“: Kollegen der Bundesagentur für Arbeit, Praktikanten und abgeordnete Mitarbeiter anderer Behörden würden „nach nur einer drei- bis achttägigen Einarbeitung als „Entscheider“ eingesetzt und angehalten, massenhaft Bescheide zu erstellen“. Offiziell gibt das BAMF die Einarbeitungszeit für Entscheider mit sechs Wochen an. Vor kurzem war die Einarbeitungszeit noch um ein Vielfaches länger. „Bevor die neuen Entscheider überhaupt die erste Anhörung alleine machen, haben sie eine Ausbildung von drei bis vier Monaten hinter sich“, betonte Weises Vorgänger Manfred Schmidt stets. Und dann würden sie noch nicht über komplizierte Fälle entscheiden. … Der Oberst der Reserve soll nun dafür sorgen, dass die Zahlen beim Flüchtlingsamt positiver ausfallen. … Die Vielzahl von „handwerklich schlecht gemachten Entscheidungen“ werde im nächsten Schritt auch die Verwaltungsgerichte nahezu lahmlegen“, berichtete der Tagesspiegel.

Überraschenderweise ist diese Kritik am BAMF genau dieselbe, die Erwerbslose schon seit langem an der BA haben – konnte schließlich niemand ahnen, daß Weise dieses genauso führen würde, wie er seit Jahren jene führt!

Aus meiner Perspektive als Erwerbslose finde ich es allein schon gruselig genug, daß Personen ohne Befähigung zum Richteramt routinemäßig in einem Verwaltungsverfahren über Asylanträge entscheiden, auch ganz ohne daß man diese auch noch einem Controlling und einer Personalpolitik a la Frank-Jürgen Weise unterwirft.

Auch im Jobcenter entscheiden ehemalige Bahn- und Postangestellte oder Schulhausmeister als Teil ihrer Arbeitsroutine und unter dem Druck, Zahlen zu produzieren, dabei überarbeitet und in der Sache überfordert, ob einzelne Leistungsbeziehende ein Existenzrecht haben oder nicht.

„Normalerweise werfe ich offene Briefe immer weg, denn sie sind ja nicht an mich gerichtet, sondern an die Öffentlichkeit, und das bin ich nicht“, sagt Weise.

Briefe wegwerfen ist ja überhaupt normal dort, wo Weise der Boß ist.

Und sollen wir Weise glauben, wenn er zu glauben behauptet, an ihn adressierte offene Briefe richteten sich nicht an ihn?

„Über die Art und Weise der Kritik sei er dennoch etwas erstaunt. Aus der BA, „wo wir viele berechtigte, sachliche, harte Auseinandersetzungen haben“, kenne er das in dieser Form nicht.“

Und das ist auch nicht so richtig wirklich die Wahrheit. Es ist sogar richtig kackendreist gelogen.

Mit einem Notausgang.
Denn die Jobcenter, deren Personalräte Weise und die BA seit Jahren vergeblich mit offenen Briefen eindecken, gehören strukturell genau genommen im bürokratischen Sinn nicht zur BA. Kein Grund für Weise, überrascht und unschuldig zu tun.

Manche Erwerbslose bezeichnen die BA inzwischen als „Bundeslügenagentur für Scheinbeschäftigung und Zwangsarbeit“ (BlAfSZ).

Vertieft zur Märchenarbeit der BA hier.

Fairerweise muß man noch dazusagen, daß der offene Brief des BAMF-Personalrates sich auch damit beschäftigte, Panik zu schüren und zu insinuieren, daß Terroristen einreisen würden, weil die Identität von syrischen Staatsangehörigen nicht akribisch genug geprüft würde.

Ich finde es außerdem bemerkenswert, daß Weise selbst mit einigem Erfolg versucht, in die Politik einzugreifen, ohne jemals auf demokratischem Weg auch nur das kleinste Mandat übertragen bekommen zu haben. Wie er innerhalb der BA zum Vorstand wurde, schildert die FAZ:
„Weise spricht beim damaligen Arbeitsminister Wolfgang Clement vor. Den Spitzenjob könne er nur als akribischer Technokrat ausfüllen, macht Weise klar“.

Noch heute tritt Frank-Jürgen Weise als Kumpel des berüchtigten „Parasiten-Clement“ auf.

Wie es auch bei der BA seit jeher üblich ist, denkt Weise sich überhaupt nichts dabei, auch im Rahmen seiner Tätigkeit für das BAMF mit großer Selbstverständlichkeit und Regelmäßigkeit über die Medien der Politik und dem Rest der Welt mitzuteilen, wie sie zu denken und was sie zu tun haben.

Welche andere Bundesbehörde und welche andere Sozialversicherung tritt so auf?

Und vermutlich nicht nur in den Medien. Als die CSU um die Weihnachtszeit plötzlich mit dem bizarren Vorschlag um die Ecke kam, Geflüchtete mit Integrationsvereinbarungen und Sanktionen zu traktieren, genau wie die Jobcenter es mit Erwerbslosen machen, da hatte das BAMF sich vorher mit dem Arbeitskreis Migration der CSU getroffen.

Allein in den letzten Tagen hat Weise zum Beispiel eine Ausdehnung der Residenzpflicht gefordert, Verantwortung Richtung Österreich und Türkei geschoben, Aussagen über die Schließung der Grenzen und über den Umgang mit Rechtsextremismus gemacht.

A propos Auftreten: Wie das BAMF nach neuen Beschäftigten suchte, nachdem Weise und etliche weitere BA-Leute es mit ihrer Arbeitsmarktkompetenz aufrüsteten, beschreibt hier jemand, der sich mit sowas auskennt. Unterirdisch.
Zitat:
Arbeitgeber-Leistungen
Wir bieten Ihnen
– Aufgaben, die Sie täglich fordern und fördern“

Heute habe ich zum ersten Mal das Wort „Ämterhäufung“ im Zusammenhang mit Weise in der Zeitung gelesen – endlich! Das war in der Welt, lesenswert.
Daß der Mann auch noch die Hertie-Stiftung leitet, und dort als erste Amtshandlung alle Projekte für Geflüchtete eingespart hat, wußte ich gar nicht.

Neben allem anderen ist Weise auch noch Kuratoriumsmitglied von ProChrist, einer Art Missionsverein.
Ich erwähne das deshalb, weil es eine Petition gibt, die seinen Rücktritt fordert. Wegen Verbreitung von Lügen (Fachkräftemangel) und Säen von sozialem Unfrieden und Fremdenfeindlichkeit.

Seit Weise das BAMF führt, erscheinen Geflüchtete in der politischen Debatte als Zahlen.

Nicht als Menschen. Nicht als Rechtssubjekte. Eine Teilnahme an der Debatte? Insofern Zahlen eben sprechen.

Die Zahl muß reduziert werden. Deswegen muß mehr gewaltsam verschleppt („abgeschoben“) werden.

Einen Menschen, ein Rechtssubjekt kann man nur unter Bedingungen gewaltsam verschleppen („abschieben“), die nichts, aber auch gar nichts damit zu tun haben, wie viele andere Menschen mit Rechten sonst noch hier sind.
Bei Zahlen ist das was ganz anderes, mit denen kann man das machen.

Auch wir Erwerbslosen werden weder als Menschen wahrgenommen, noch als Rechtssubjekte, und dementsprechend werden unsere Angelegenheiten verwaltet: Unsere Zahl muß sinken!

Bei dieser Umdeutung handelt es sich um eine Entmenschlichung.

Und es reicht gar nicht, dem entgegenzuhalten: Erwerbslose sind Menschen! Geflüchtete sind Menschen!

Denn die Verwaltung hat uns zwar als Menschen zu respektieren, sie hat aber auch einen Abstand einzuhalten (Privatsphäre, Datenschutz, allgemeine Handlungsfreiheit sind hier Stichworte).

Die Verwaltung hat uns gar nicht so nahe zu treten, daß unsere individuelle Menschlichkeit in jedem Fall verläßlich ausreicht, uns vor Übergriffen zu schützen.
Deswegen gibt es Rechtsgüter.

Und Menschlichkeit und Rechtsgüter auch in der Praxis zu entfernen ist die Aufgabe von Frank-Jürgen Weise. Das von ihm in BA und BAMF eingeführte Controlling, mit dem Menschen auch ganz praktisch in Zahlen verwandelt werden, setzt die Entmenschlichung und Entrechtung von Agenda 2010 und Asylpaketen perfekt um.

Daß sich fürs BAMF niemand anders gefunden hat, finde ich sehr erfreulich, denn es wäre schlimm, wenn es viele Menschen geben würde, die dazu bereit sind.

Selbstverständlich gehört so jemand umgehend aus allen Ämtern entfernt.
Doch Weise macht ja genau, was er soll.

Das Verwandeln von Millionen von Menschen in Zahlen und deren anschließende Reduzierung entspricht ganz genau seiner politischen Stellenbeschreibung.

Deswegen wird Weise wohl noch etwas länger als sechs Monate auf die endgültige Abrechnung warten müssen.

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Starting a GNUsocial / Quitter Account, Step One

There are wikis about using GNUsocial (english, german).

I thought I’d do a step by step guide, inspired by an online blogging course I took part in over the last three weeks.

I’m doing it in english so more users can have access to it.

And I’m doing it in several instalments, as I find time, so it won’t be complete at first.

Step one: Choosing a GNUsocial / Quitter instance

So you are fed up with Twitter, and looking for an alternative, or some of your friends have moved to the federated network, and you want to join them.

What you have to know at this point is that even though there are many different public servers (called instances) which offer accounts, they are all federated. This means you can have an account on just one of these instances but communicate with the population of all the other instances, too.

Screenshot of the public timeline from gnusocial.de, to be found at https://gnusocial.de/main/public
Public timeline at gnusocial.de, a german instance

So, before actually setting up an account, you get to choose an instance which fits your preferences.

A few points to consider:

  • Number of allowed characters per post:
    Some instances allow only 140 Characters per post, like quitter.se, others allow many more.
  • Data protection: Instances are based in different countries, so if you are concerned, you may want to choose an instance in a country with strict laws, or anyway one based in a different country from yourself, so authorities have at least a few hoops to jump through if they want to obtain data.
  • Special interest: Most instances are not devoted to anything in particular.
    However, there are a few: Rainbowdash is for bronies (what are bronies?). There are two instances for „shitposting“. They became part of the federation when some users were banned from other instances for posting lots of notices with not much content (read the whole story). And then there’s quit.im, specially for sharing pictures. One instance is for talking about ADHS (Attention Deficit Hyperactivity Disorder).
    An online magazine called Highland Arrow uses a GNU Social instance as community for comments on their site, and everything else you can do with any instance.
    There is also an instance for porn.
  • Maybe you want to be on the same instance as all your friends, or maybe you want to do the opposite and diversify. The federation encourages decentralization and distribution.
  • There is also the possibility of setting up your own GNUsocial instance, only we are not covering this today.
    If you want to do this, I’d recommend to get an account on an existing instance anyway, to connect to the admins who are running instances already, because they will help you out with advice if something does not work right away.

Here is a list of instances to choose from, and here is another one. And here.

If you have found a few instances that appeal to you, you can do one more thing and check their public timelines – yes there are more than one.

Each instance has a public timeline, where you can see everything the users of this instance publish, and you find it under the URL {instance}/main/public, for example gnusocial.red/main/public.
You can see what languages are used around there, when was the last activity, what are they talking about and so on.

Then there is the timeline of the whole known network. That is, known to this instance. An instance „knows“ accounts on other instances if they are being followed by its users. That means, if I follow an account on a different instance, their status updates show up in my own stream *and* in the whole known network timeline of my instance.

So, if you look at this special timeline of an instance, you see the posts of the instances‘ users and also the posts of everyone they follow on other instances.

The whole known network timeline goes by the URL {instance}/main/all, for example status.vinilox.eu/main/all.

So, choose wisely! 😀

Upcoming:
– get an account
– use clients for smartphone and desktop
– connecting to your other social media profiles
– follow and be followed
– groups

I will need guest posts for clients and connecting to other social media, because I don’t do these and cannot tell you anything about it.

Also, please tell me in the comments if something is missing, and whether this is useful for you.

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Wohin mit dem BGE?

Seit Ewigkeiten wollte ich mal was zum bedingungslosen Grundeinkommen schreiben.

Heute gibt es dazu ein paar Gedanken und Geschichten, aus Anlaß einer Blogparade.

(OT*: Veranstalterin Eva Ihnenfeldt hat mich mit diesem Artikel davon überzeugt, daß ich sehr gerne an einer von ihr veranstalteten Blogparade teilnehme.)

Aktivistinnen, die für das BGE eintreten, haben mir erzählt, daß die erste Reaktion auf die Idee standardmäßig ist: „Dann arbeitet ja niemand mehr!“
Daher verstehe ich es, wenn Befürworterinnen auch zuerst auf diesen Aspekt eingehen, und dieselbe Frage stellen wie auch diese Blogparade:

Was würdest Du tun, wenn es das bedingungslose Grundeinkommen gäbe in Deutschland – ohne Wenn und Aber, einfach als „Recht auf ein Leben in existenzieller Sorglosigkeit“.

Als mir diese Frage 2011 gestellt wurde, habe ich richtig intensiv darüber nachgedacht.

Normalerweise schaut man ja zuerst, welche Möglichkeiten es gibt, man schaut sich Stellenannoncen oder Ausbildungsangebote an und überlegt dann, was davon man machen möchte.

Jedenfalls als Erwerbslose.

Comic: Jemand liegt im bett und schnarcht, es ist dunkel, der Mond scheint. Darüber steht: "Wir träumen, um zu verarbeiten, was wir tagsüber erlebt haben." Dann ist es Tag, da steht jemand und sieht verwirrt aus. Die Sonne scheint. Darüber steht: "Tagsüber verarbeiten wir dann, was wir die letzte Nacht geträumt haben."
Comic von http://www.islieb.de, Lizenz

Zu tun gibt es natürlich genug, nur es gibt eben nicht unbedingt Geld dafür. Bedürfnisse, auch die dringlichsten, gehen sogar sehr oft nicht mit Kaufkraft einher.

Im Prinzip war mir auch vorher schon klar, daß man am Besten erstmal beides getrennt betrachtet.
Aber erst die Vorstellung vom bedingungslosen Grundeinkommen hat es mir ermöglicht, mich richtig da reinzudenken, und dann auch die Konsequenz zu ziehen: Was ich im Falle eines BGE tun wollen würde, will ich in jedem Fall tun.

Und tue es auch seitdem, auch gegen große Widerstände.

Ich nenne es: Geistiges BGE.

Wenn das Leben Dir Zitronen gibt, leg sie beiseite und iß Deine Bratwurst weiter.**

Etwas später hieß es in Teilen der Grundeinkommensbewegung, im Iran gäbe es jetzt das BGE.
Schien mir etwas überraschend.

Als ich mich mal länger mit jemand aus dem Iran unterhielt, befragte ich ihn näher dazu.
Oh ja, im Iran gäbe es ein bedingungsloses Grundeinkommen, sagte mir mein Gesprächspartner.
In welcher Höhe? Nun ja, vor der Einführung des BGE sei der Brotpreis subventioniert gewesen. Damit niemand hungern müsse. Diese Subvention sei mit Einführung des BGE weggefallen. Der Brotpreis sei sehr gestiegen. Das BGE sei viel niedriger als die Differenz des jetzigen Brotpreises zum früheren.
Und ob alle das BGE bekämen? Ja, alle könnten es beantragen, aber nur wenige würden es tun, denn wer einen Antrag stelle, sei etwa wie hier Hartz-IV-Beziehende.

Ein Mensch und ein Einhorn trinken Bier. Der Mensch sagt: "Die Dinge, die wir wollen und die Dinge, die wir kriegen, sind oft zwei Paar Schuh." und: "Du wolltest immer Astronaut werden und ich das letzte Einhorn auf Erden." und "Wenn ich morgen zum mars fliege, werd ich an dich denken, altes Pferd." und das Einhorn sagt: "Ich werde hier auf der Erde die stellung halten."
Comic von http://www.islieb.de, Lizenz

Aus dieser Geschichte habe ich geschlossen, daß man mit dem BGE gerade genausoviel Schindluder treiben kann wie ohne.

Wenn ich sage „Ich will ein BGE“, dann habe ich genau gar nichts darüber gesagt, wie ich vom Staat oder vom Arbeitgeber behandelt werden, oder wie ich leben will.

Und ich halte es für unverzichtbar, nicht nur zu sagen, was ich will, sondern auch, zu benennen, was dabei im Weg steht.

Wenn ich mehr Geld will als in Hartz IV, dann wird jemand anders weniger haben.
Und ich will ganz bestimmt nicht, daß das der Krankenpfleger oder die Leiharbeiterin ist.

62 Personen besitzen so viel wie die Hälfte der Weltbevölkerung.

Diese Leute werden ihr Geld nicht einfach so herausrücken, so dumm uns diese Einstellung auch erscheinen mag.

Wir befinden uns mitten in einem existenziellen Verteilungskonflikt, denn Armut tötet. Auch die Art von Armut, die in den reichen Ländern weit verbreitet ist.

Die BGE-Bewegung steht für die Hoffnung, daß dieser Konflikt irgendwie weggeht, wenn man ihn nur lange genug ignoriert.
———–
* OT heißt Off Topic. Die kleine Passage gehört nicht so wirklich zum Thema.
** Das habe ich aufgeschnappt, okay?

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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte…

… deswegen hab ich mir immer ziemlich in’s Hemd gemacht wegen #mimimi, meine Themen sind ja soooo abstrakt, die sieht man eben nicht auf Bildern #mimimi.

Ein Blödsinn.

Ich mache zur Zeit einen Blogging-Kurs mit, und schnalle dadurch Sachen, die eigentlich schon die ganze Zeit vor meiner Nase waren.

Zum Beispiel, daß es zu manch einem abstrakten Thema tolle frei verfügbare Comics gibt:

Comic: Ein Mann kauft sich einen Döner. Der Verkäufer sagt: "Hier, Ihre Döner! Und ich distanzier mich total vom Islamisten-Terror!!" Darauf sagt der Dönerkäufer: "Vielen lieben Dank! Und ich distanziere mich mit Nachdruck von Pegida und AfD!!"
comic von islieb.de, Lizenz
Comic: Eine Außerirdische, die gerade aus einem UFO geklettert ist, steht einigen Strichmännchen gegenüber, die ein Schild mit der Aufschrift "Pegida" tragen. Die Außerirdische sagt: "Erdlinge, ich komme in Frieden!" Die Leute sagen: "Guten Tag, auf Wiedersehen!" und "Putin, töte es!" und "Ich fühl mich geterrort!" und "Scheiße, ein Gutmensch!" und "Kein Familiennachzug! Macht den Himmel dicht!" und "Eina Galaxie Abstand halten bitte!" und "Na danke Merkel!" und "Das Ding ist Lichtjahre gereist, um unsere Frauen zu betatschen!"
comic von islieb.de, Lizenz

 

Comic: Ein Mann sitzt auf einer Parkbank. Ein Mann mit Vollbart setzt sich dazu. Der Mann ohne Vollbart denkt: "Moslem." Der Mann mit Vollbart denkt: "Ich sollte verdeutlichen, daß ich kein Terrorist bin..." Der Mann ohne Vollbart denkt: "Ich muß ihm beweisen, dass ich keine Vorurteile hab." Beide grinsen sich übertrieben an.
comic von islieb.de, Lizenz

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#LAGeSo: Doch kein Todesfall – soll Czaja deswegen jetzt etwa bleiben?

So, nachdem heute den ganzen Tag darüber debattiert wurde, ob die Nachricht jetzt bestätigt genug ist oder nicht, daß ein geflüchteter Syrer nach tagelangem Schlangestehen am Berliner LAGeSo verstorben ist, scheint es jetzt geklärt, daß es wohl doch nicht so ist.

Die große Frage: Was soll man jetzt davon halten? Wie der Tagesspiegel richtig bemerkte:

„So verworren der Fall auch ist, so gibt es doch eine Erkenntnis: Unabhängig davon, ob der Syrer existierte oder nicht, hat niemand – nicht die Politik, nicht die Presse, nicht die Helfer – den Tod eines Menschen am Berliner Lageso auch nur einen Moment lang für unwahrscheinlich gehalten.“

Jetzt sieht es fast so aus, als würde die Nachricht, daß niemand gestorben ist, sich für Mario Czaja, der als Sozialsenator praktisch ein Leben am Abgrund führt, sogar noch positiv auswirken, als hätten diejenigen, die heute erneut seinen Rücktritt forderten, plötzlich Unrecht damit, weil es letzte Nacht doch noch nicht so weit war, daß jemand gestorben ist.

Hochoffiziell hat sogar Moabithilft schon befürchtet, daß, wenn die Nachricht sich als falsch herausstellt, das Ansehen der ehrenamtlichen HelferInnen stark darunter leiden würde, dies wäre gar eine Katastrophe.

Doch wieso eigentlich?

Ganz ehrlich. Wieso muß man denn unbedingt warten, bis tatsächlich jemand gestorben ist?
Daß dies früher oder später passieren muß, wenn man denselben Pfuscher und Arbeitsverweigerer weiterhin ranläßt, ist doch allen Beteiligten seit Monaten klar.

Es ist doch wirklich eine sinnvollere Reihenfolge, sich erst nochmal richtig zu empören, erst Mario Czaja endlich endlich endlich aus dem Amt zu entfernen, bevor es so weit ist, und nicht erst hinterher.

Insofern gibt es heute eine weitere Chance, und das ganz ohne daß tatsächlich ein geflüchteter Mensch dafür sterben mußte.

Die Nachricht von heute hat deutlich vor Augen geführt, daß es keine Entschuldigung für Czajas Verbleib im Amt gibt, und zwar völlig unabhängig davon, ob die Nachricht inhaltlich zutrifft oder nicht.

Nach Auskunft der Polizei scheint es sich tatsächlich um eine bewußte Unwahrheit gehandelt zu haben, doch das Herumgeunke, dies würde jetzt ganz schrecklich auf die ehrenamtlichen HelferInnen zurückfallen, kann ich nicht teilen.

Erstens kann das nur geschehen, wenn jetzt alle HelferInnen in Gruppenhaftung genommen werden, und das wäre voll daneben. Zweitens kann man in diesem Zusammenhang auch wirklich niemandem (außer den für das LAGeSo Verantwortlichen) den Vorwurf machen, daß hier irgendetwas ausgelassen wurde, um der Situation mit weniger drastischen Mitteln zu begegnen.

Alles andere wurde einfach schon versucht, und zwar vergeblich.

Mario Czaja wurde sogar von 40 AnwältInnen angezeigt, das muß ihm erstmal jemand nachmachen, mal abgesehen von der laufenden Berichterstattung, den Warnungen von Sozialverbänden, der internationalen Kritik, den Rücktrittsforderungen der Opposition etc. etc. etc.

Bevor man sich über Dirk Volz aufregt, muß man sich vor Augen halten, daß – und zwar vor aller Öffentlichkeit – NICHTS NICHTS NICHTS anderes funktioniert hat.

Darum hoffe ich, daß wenigstens das funktioniert, und daß jetzt nicht NOCH weiter gewartet wird.

Ist Quitter eine Alternative zu Twitter?

Die Frage nach einer Alternative zu Twitter wird immer dringlicher. Twitter verändert sich, und zwar nur in eine Richtung.

Die Timeline voller Werbung, Twitter wählt Tweets aus und platziert sie ganz oben in der Timeline, zuletzt wurde in die Ausdrucksmöglichkeiten der Nutzenden eingegriffen, als der Stern zum Favorisieren durch ein Herz zum Liken ersetzt wurde.

Der nächste Plan ist nun, die Timeline gar nicht mehr chronologisch zu ordnen, sondern nach irgendwelchen anderen Kriterien.

Dies wird offenbar gerade getestet, und diejenigen, an denen es ohne ihr Einverständnis getestet wird, sind entsetzt.

Das Entsetzen der Community wird Twitter jedoch kaum aufhalten, wenn das Unternehmen der Meinung ist, auf diese Weise mehr Geld zu verdienen.

Ich selbst hab mir schon bei der Herzchen-Sache einen Quitter-Account zugelegt.

Ein Twitter-Profil habe ich aber noch, für die Sachen, die ich auf Quitter (noch) nicht machen kann.

Nachrichten: Auf Twitter kann ich damit rechnen, daß meine umfangreiche TL mich über alles informiert, was ich auch wissen will.

Ereignisse: Bei allen möglichen Ereignissen gibt es sofort einen regen Meinungsaustausch, und sobald Medienberichte verfügbar sind, kriegt man es sofort mit. Wenn man will.

Die Begrenzung auf 140 Zeichen macht eine Vielstimmigkeit möglich (d.h. die ich auch wahrzunehmen schaffe), die ich in dieser Form sonst nicht kenne, nicht zuletzt weil man gar nicht allem zuhörtechnisch gerecht werden kann, was so viele Leute zu sagen haben.

Und nach einer Weile Twitternutzung ist es ja echt erstaunlich, wie viel man in 140 Zeichen packen kann.

BAMS trollen: auch eine Sache, die auf Quitter erstmal nicht gehen wird, erstens, weil das BMAS (= Bundesministerium für Arbeit und Soziales) nicht dort ist, aber auch, weil das Publikum nicht dort ist, ohne welches sowas gar keinen Sinn macht.

Hier ein paar Beispiele:

Meine HartzIV-Blase: Die Leute, denen ich folge, um mich über HartzIV auszutauschen, und die Leute, die mir aus diesem Grund folgen.

Alles Dinge, die eigentlich von den anderen UserInnen abhängen, nicht von Twitter, nur daß Twitter das eben ermöglichen muß.

Doch Twitter baut gerade genau die Eigenschaften ab, die mich (und andere) da hingezogen haben, und das geht ja weiter. Deswegen werden auch andere vielleicht bald eine Alternative suchen, und ich schlage vor, dafür in der Breite Quitter bzw. Gnusocialnet zu nutzen.

Je mehr Personen sich für Gnusocialnet entscheiden, desto sinnvoller wird diese Entscheidung für alle.

Während ich das schreibe, erzählen mir gerade zwei Leute auf Quitter, wie sie vor kurzem ihre Twitter-Accounts aufgegeben und alle ihre Tweets gelöscht haben.

Quitter

Einige aus meiner Timeline waren schon “zu Quitter gegangen”.

Ich dachte daher, ich mach ne Suche nach “Quitter” und finde Quitter.com oder .org oder .net oder was Ähnliches als erstes Suchergebnis.

Hier meine wichtigste Erkenntnis:
Es heißt gar nicht Quitter. Es heißt eigentlich

Gnusocialnet

Das Gnusocialnet besteht nicht aus einem Unternehmen, das seine Software auf seinen Servern zur Verfügung stellt, sondern aus vielen voneinander unabhängigen Servern, die von Freiwilligen betrieben werden.

Also, technisch gesehen. In Wirklichkeit besteht es auch aus den Menschen, die es nutzen, und dem, was sie / wir dort miteinander machen.

Die Server werden mit der freien Software StatusNet betrieben (Update: ich wurde informiert, daß die Software früher so hieß, aber jetzt: „GNU Social“), die es jeder ermöglicht, sich einen Server aufzusetzen, Gnusocialnet von dort aus zu nutzen, und das auch andere mitnutzen zu lassen.

Die verschiedenen Server heißen auch “Instanzen”.

Deswegen braucht auch nicht jede einen eigenen Server: Es gibt einige Server, auf denen man sich einfach ein Profil anlegen kann, ohne irgendwen um Erlaubnis zu fragen, andere, bei denen man eine Mail an die admin schreiben muß, und ein paar, die jemand ausschließlich für sich selbst betreibt.

Das Coole ist jetzt, daß alle NutzerInnen sich gegenseitig folgen können, egal auf welcher Instanz das Profil ist. Das ist das Gnusocialnet.

Die Instanzen sind auf der ganzen Welt verteilt, und so kann es sein, daß man irgendein Profil anklickt und sich plötzlich auf einem ganz anderen Server in einem ganz anderen Land wiederfindet.

Dann nicht erschrecken, das muß so.

Werden auf einer Instanz zum Beispiel Gruppen angelegt, können auch die UserInnen aller anderen Instanzen dort Mitglieder werden.

Übrigens, Quitter heißen
a) ein paar von den Instanzen (z.B. quitter.se, quitter.is, quitter.no)
b) die neuere Benutzeroberfläche (Update: streng genommen, heißt sie „Qvitter“)

Bei Quitter einsteigen

Als erstes sucht man sich eine Instanz aus.

Man nimmt entweder einfach die, auf der schon die Bekannten ihre Präsenz haben, oder man sucht sich in einer Liste eine aus.

Hier und hier gibt es Listen. (Update: und hier)

Einige Instanzen begrenzen die Zeichenzahl nicht auf 140. Ich finde das persönlich schade, aber viele freuen sich auch drüber, und es scheint für manche ein Kriterium zu sein.

Ein anderes könnten Datenschutzerwägungen sein, die in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich ausfallen können.

Ich hab mir auf der ersten Instanz ein Profil angelegt, über die ich gestolpert bin, und bin damit voll zufrieden.

Timelines

Zusätzlich zur eigenen Timeline und den eigenen Mentions hat im Gnusocialnet jede Instanz eine gemeinsame TL aller ihrer UserInnen, und eine TL, in der dazu noch die Followees posten, die ihr Profil auf anderen Instanzen haben.

Es gibt auch Hashtags, die scheinen aber nicht so eine Power zu entfalten wie manch ein Hashtag auf Twitter.

Kein Wunder, dafür braucht es auch riesige Massen von NutzerInnen.

Favorisieren

Gnusocialnet wird nie so dämlich sein, die Sterne gegen Herzchen auszutauschen, und vor allen Dingen wird so etwas nie aus Gewinnstreben passieren.

Stattdessen super-niedlicher, wenn auch völlig überflüssiger Fluff: In den Mentions werden sternförmige, gelblich gefärbte Ausschnitte aus den Avataren der Favvenden angezeigt, so daß jeder Account mit seinem eigenen Stern favvt!

Sieht so aus:

Gruppen

Dann gibt es noch die Gruppen.

Mit Hilfe eines Bangtags (wie ein Hashtag, aber mit “!” statt “#”) kann man in die TL einer Gruppe posten, wenn man dort Mitglied ist.

Als Mitglied bekommt man auch alle Posts in die TL, die von anderen Mitgliedern an die Gruppe gehen.

Man kann auch solchen Gruppen beitreten, die auf anderen Instanzen liegen. (Das geht so: pdf.)

Es gibt zum Beispiel eine !welcome-Gruppe für alle, die neu auf Gnusocialnet sind.

Mobil

Für Smartphone-Besitzende scheint es ziemlich wichtig zu sein: Ja, man kann das auch mit einer mobilen App nutzen, sie heißt Andstatus, und mehr weiß ich nicht darüber.

(Update: Nein, es gibt mehrere Apps und Clients, hier ist eine kommentierte Liste, mit Screenshots)

Meine Eindrücke nach einem Monat

– Ich finde es im großen und ganzen sehr nett im Gnusocialnet.

– Man merkt, daß die Nutzungszahlen nicht zu vergleichen sind. Die Timeline ist sowohl internationaler wie auch nach Interessengebieten viel breiter.

– Daß nur wenige das nutzen, kann sich natürlich nie ändern, wenn alle es deswegen nicht nutzen, weil nur so wenige es nutzen.

Was ich dort mache

Ich hab als erstes natürlich Gruppen gegründet: Eine zu HartzIV, quasi für den deutschsprachigen Raum, und eine internationale zum Thema Armut.

Mein Quitter-Profil ist mehr allgemein zum Quatschen, wogegen auf Twitter der Plan für mein Profil war, daß es möglichst um HartzIV gehen sollte.

Auf Quitter kann ich alles, was damit zu tun hat, über die zwei Gruppen kommunizieren, und wer nur das haben möchte, folgt den Gruppen und nicht mir.

Update: Für mehr Informationen gibt es hier ein deutschsprachiges und hier ein englischsprachiges Wiki. Außerdem habe ich angefangen, eine englischsprachige Schritt-für-Schritt-Anleitung zu schreiben

Update: Hier erklärt eine Bloggerin, warum sie ihre Blogposts gar nicht mehr auf Twitter ankündigt, sondern nur noch auf GNU Social

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