Das Internet ist kaputt

Orrrrrr Google! Google hat das Internet kaputtgemacht mit seinem neuen Kack-Algorithmus. Da hilft kein Startpage, kein Duckduckgo und Metager.

Stockphoto: uralte, kaputte Steckdosen und herunterhängende Lüsterklemmen, die sowohl das kaputte Internet als auch die kaputte Kommunikation symbolisieren sollen
Symbolbild

Früher mal war es so,da hab ich Suchbegriffe eingegeben und dann kamen Seiten, auf denen die vorkamen, diese Begriffe. So.

Und jetzt? Jetzt kommt irgendein Scheiß, von dem Google glaubt, daß ich ihn gemeint haben könnte.

Jetzt paß mal auf, Google, und jede andere verkackte Suchmaschine: Wenn ich sage, daß ich Webseiten sehen will, auf denen ganz bestimmte Begriffe stehen, dann bedeutet das, daß ich Webseiten sehen will, auf denen diese Begriffe stehen!!!

Übrigens war das mal irgendwann ein riesiger Vorteil von Maschinen, insbesondere Computerprogrammen, im Vergleich mit Menschen: Wenn ich einen bestimmten Input gegeben habe, konnte ich mir ausrechnen, was der Output sein würde.*

Mit all den Algorithemn, die uns angeblich besser kennen sollen als wir uns selbst, ist das vorbei. Ich kann mir nicht ausrechnen, was Google versteht, wenn ich X sage. Ich kann mir auch nicht ausrechnen, was ich sagen muß, damit Google X versteht.

Mir sind schon Menschen begegnet, mit denen das so lief. Die Kommunikation hat dann keine Sachebene mehr, es ist nicht mehr möglich, irgendetwas bestimmtes zu kommunizieren oder irgendwie kognitiv/rational an der Kommunikation teilzunehmen. Ich sage etwas, und die andere Person denkt sich nach ihrer eigenen Geschmacksrichtung irgendwas aus, was ich angeblich damit gemeint habe. Meist endet das in Tränen, weil in Wirklichkeit bin ich ja immer noch ich und nicht die Phantasiefigur im Kopf des Gegenübers, die Phantasiedinge sagt und rein zufällig immer genau das will, was der anderen Person in den Kram paßt.

Sowas kann man durchziehen, wenn man zusätzlich die Macht hat, die eigene Deutung ohne Rücksicht auf Verluste durchzusetzen, weil die Verluste immer auf der anderen Seite liegen, wie etwa im Jobcenter als „Arbeits“„Vermittler“. Fehlt dieses Machtgefälle, fällt man eben mit solchen Kommunikationsmethoden auf die Schnauze.

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* Das kann auch mal ein Nachteil sein, und insgesamt kann ich Menschen jetzt nicht mit Mashinen vergleichen und sagen, daß Menschen oder Maschinen „besser“ seien oder ich Menschen oder Maschinen lieber mag, das haut nicht hin

„Soziale Medien sind schuld*, weil da einfach jeder alles schreiben kann.“

Den Blödsinn habe ich heute einmal zu oft gelesen, ich weiß nicht mal mehr wo.

1.) Autoritäre Machtgeile haben sich schon immer Medien daraufhin angeschaut, wie sie sie zu Manipulationszwecken einsetzen können.

2.) Dabei ist es wurscht, ob das Facebook ist oder der Tonfilm.**

3.) Besonders geeignet sind jeweils die allerneuesten Medien, aus zwei Gründen:

4.) Erstens, neuere Medien bringen Botschaften effektiver rüber als ältere (nicht automatisch, aber diejenigen neueren, die sich auch durchsetzen, wobei sie zudem noch gegen ältere, bereits etablierte, anstinken müssen)

5.) Zweitens, gerade Profis im Umgang mit Medien sind beim Auftauchen neuerer, effektiverer Medien beleidigt, weil sie eine ganze Karriere investiert haben, um sich auf die bereits etablierten zu spezialisieren…

Eine Grafik, mit der man auf rechte Haßkommentare antworten kann. Dann spendet die Kampagne "Haß hilft" jedes Mal einen Euro, für Geflüchtete oder an ein Aussteigerprojekt für Ex-Nazis. Text: "Das gibt aber kein Like vom Führer!"
Gegenbeispiel von http://www.hasshilft.de/

6.)… mit dem Ergebnis, daß sie in der Welt der neuen Medien als Konkurrenz für den rechten Bullshit in der Breite ausfallen und der es leichter hat.

7.) Was also tun?

8.) Mit derselben Sorgfalt und dem Einsatz, den Arschlöcher aufwenden, um zu studieren, wie sie neue Medien zur Manipulation nutzen können, muß man lernen, wie man sie stattdessen für aufklärende und emanzipative Zwecke nutzen kann – und es tun!

9.) Und das ist ein ganz schöner Anspruch, wie man hier sieht, bitte lesen:
http://bazonline.ch/ausland/amerika/Diese-Firma-weiss-was-Sie-denken/story/25805157

Grafik: Man sieht ein Schachbrett, auf dem fast alle Figuren umgeworfen sind. Im Vordergrund ein schwarzer und ein weißer Bauer, die sich gegenseitig auf die Schulter klopfen. Darüber dre Text "Break the rules"
Das zweite Gegenbeispiel ist ein Aufkleber von der Anarchosyndikalistischen Jugend Leipzig http://asjl.blogsport.de/ – ginge aber auch gut als Mem

10.) Außerdem: Die jeweils neueren und effektiveren Medien nutzen, um darüber aufzuklären, wie Arschlöcher sie nutzen, und wie man sich dagegen wehren kann.

11.) So.

[Dieser Text ist ein Ersatz für einen Twitter-Rant, deswegen der abgehackte Stil. Ein Kompromiß, weil ich keine Zeit für ein richtiges Blogposting habe.]

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* am Brexit, an Trump, an Pegida, an der AfD etc.
** Ja, das ist ein Nazivergleich. Mit dem Ziel, daraus was über Nazis zu lernen und darüber, wie man solche und Ähnliche von der Macht fernhalten kann. Da steh ich voll dazu.

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Zu einem Konflikt gehören zwei

Dieser Unsinn ist ebenso weit verbreitet wie destruktiv.

Ich bin viel zu nett dafür, ansonsten würde ich jedesmal eine kleine Vorführung machen, wenn ich mit dem Quatsch konfrontiert bin:

„Christel, zu einem Konflikt gehören immer zwei. Mach einfach nicht mehr mit, steig aus, dann ist es gut.“

„Du meinst, ich kann nicht einseitig entscheiden, daß ich jetzt sofort einen Konflikt mit Dir will, weil Du machst einfach nicht mit?“

„Genau.“

[Ich hau der Person eine rein. (Das ist der Teil, wo ich in Wirklichkeit zu nett zu bin.)]

Jetzt hat die Person verschiedene Möglichkeiten. Sie kann mir auch eine reinhauen, oder sie kann den Konflikt auf eine Weise führen, die geeignet ist, ihn möglichst schnell zu beenden, oder sie kann, um ihre erste Behauptung zu beweisen, gar nichts machen. In dem Fall muß sie den Konflikt eben internalisieren*, wovon er gerade nicht weggeht. In dem Fall könnte ich ihr gleich noch eine reinhauen. (Wenn ich dafür arschig genug wäre.)

Allerdings: Die zweite Möglichkeit, nämlich, den Konflikt so zu führen, daß er möglichst beendet wird, erfordert, daß die Person stärker und / oder schlauer und / oder entschlossener ist und / oder mehr Rückhalt hat als ich.

Ich will ja unbedingt einen Konflikt erzwingen, um zu beweisen, daß das auch ganz einseitig geht, und wenn die andere Partei den Konflikt unbedingt beenden will, haben wir in dieser Frage einen Konflikt. Hehe.

Comic: Eine Strich-Person beklagt sich: "Ich bin immer viel zu lieb zu allen... Zum Dank krieg ich nichts als Arschtritte." Eine weitere Strichperson fordert: "Gib mir 10 Euro!" - "Bitteschön." - "Rumdrehen." - Die zweite Strich-Person tritt der ersten in den Hintern und sagt "Dankeschön!" Die erste sagt "Gern geschehen."
Comic von islieb.de, Lizenz

Man kann also durchaus einseitig beschließen, daß man jetzt einen Konflikt haben will, und das auch so durchziehen und jemandem aufzwingen. Idealerweise sucht man sich dabei jemand, die entweder schwächer ist oder die man durch die eigenen Angriffe so schwächen kann, daß man damit durchkommt.

Ideal ist es, wenn die Umgebung dieser Person eine Mitschuld gibt, und das Dogma vertritt, daß an einem Konflikt immer zwei schuld sind, und daß man aus einen Konflikt einseitig aussteigen kann, und diese Rolle, aus dem Konflikt auszusteigen, ihr zuweist.

Und das ist noch nicht alles.

Wenn ich jetzt jemandem eine reingehauen habe, einer Person, die mir gar nichts getan hat, dann heißt das noch lange nicht, daß ich deswegen jetzt etwa bereit bin, als Bösewicht zu gelten. Ich werde mir irgendwelche Gründe suchen, wieso die böse Person mich gemeinerweise praktisch gezwungen hat, ihr eine reinzuhauen. Ich werde ihre Glaubwürdigkeit untergraben, denn daß sie in dieser Sache anderer Meinung ist als ich, zeigt ja schon, daß sie ganz schön durchgeknallt ist und einen völlig unrealistischen Blick auf die Sache hat.

Wenn sie womöglich so dreist ist und „Aua“ sagt, dann unterstellt sie mir damit ja quasi, daß ich ihr wehgetan hätte, und das ist doch wirklich das Allerletzte, das kann ich mir auf keinen Fall bieten lassen. Und wenn sie bei Dritten Unterstützung sucht, dann ist das ein fieses Manöver, um mich zu isolieren, sie redet hinter meinem Rücken über mich, obwohl man mit mir nun doch wirklich alles besprechen kann. Ich bin so nett!

Wenn ich also jemandem eine reingehauen habe, aber nicht bereit bin, entsprechend als Arschloch zu gelten, ergibt sich ein wichtiger Grund, weiter auf der Person rumzuhacken, eine einseitige Gewaltspirale.

Und wenn die Person überhaupt zu erkennen gibt, daß ihr da irgendwas nicht paßt, das ist ein starker Moment. In dem Moment muß ich nachtreten, wenn ich das nicht eh schon prophylaktisch getan habe.
Das kann leicht umgedeutet werden, um der Person eine Mitschuld zuzuweisen. Wenn ich gefragt werde, ob ich einen Konflikt mit der Person habe, werde ich auch sagen: „Nein, wie kommst Du da bloß drauf?“
Wenn die andere Partei jetzt sagt, „Nee, so kann das nicht laufen“ oder „Aua“ oder „Warum hast Du mich jetzt gehauen“ oder was Ähnliches, dann benennt sie den Konflikt, und wird dafür sofort bestraft, was ja bloß deswegen ist, weil sie solche Sachen sagt.

Ein weiteres Moment, welches eine solche einseitige Spirale befeuert, ist, daß ich ja jetzt Angst haben muß, daß die Person womöglich zurückschlägt. Gleichzeitig halte ich daran fest, daß ich ja nix Schlimmes gemacht habe. Die Angst schwebt also frei, und ein richtiger Grund fehlt. Naja, wenn diese Person mir so Angst macht, dann muß sie ja ziemlich fies sein.

Stockphoto: Ein ei in einem Eierbecher, darüber ein riesiger Holzhammer, der Ei und Becher gleich zermanschen wird.

Und genau deswegen haben Rassisten so wahnsinnig Angst vor Geflüchteten, und Sexisten haben so Angst vor Frauen, und Antisemiten haben so Angst vor jüdischen Menschen. Es ist das eigene projizierte Unrechtsbewußtsein. Und deswegen gibt es auch keinen rationalen Umgang mit diesen Ängsten und keinen Realitätscheck.

Eine Gewaltpirale gilt aber auch als etwas, was von zwei Seiten ausgeht und dadurch entsteht, daß jede Seite jedes Mal noch doller zurückhaut.
Das mag es auch geben, habe ich aber im richtigen Leben noch nie gesehen. Ich halte das für reine Ideologie.

Und Machtverhältnisse existieren in dieser Ideologie schon gar nicht.

Im richtigen Leben sieht man kaum ein vollkommenes Machtgleichgewicht, und selbst wenn es das gäbe, würde es sich ja mit jeder Interaktion verändern. Und einen Konflikt vom Zaun zu brechen ist ein mögliches Mittel dazu.

Und Macht bedeutet auch, daß ich es mir leisten kann, einen Konflikt zu erzwingen, weil mir dabei weniger passieren kann als der anderen Partei, und weil ich auch eher damit durchkomme, der anderen Partei die Schuld in die Schuhe zu schieben.

Jetzt kann man natürlich einwenden, daß bei realen Konflikten meist beide Seiten einen Konflikt wollen oder zumindest billigend in Kauf nehmen. Das ist aber nicht die Formulierung, sondern die Formulierung ist, daß beide Seiten zu einem Konflikt beitragen.

Und das ist auch kein Wunder, denn die Mittel, die die meisten Menschen besitzen, um mit unterschiedlichen Interessen und unvereinbaren Zielen klarzukommen, sind, gelinde gesagt, begrenzt.

Gesprächsführungskompetenz wird geradezu auf bösartige Weise vernachlässigt, niemand fühlt sich berufen, dazuzulernen, schon gar nicht, wenn es gerade keinen akuten Konflikt gibt, obwohl das der günstigste Zeitpunkt wäre.

Und wenn es soweit ist, sind die Methoden, damit umzugehen, anti-emanzipatorisch und manipulativ. Das letzte, worum es dabei geht, ist, den Konfliktparteien ein Meta-Wissen über Konflikte mitzugeben, sondern sie sollen das Wissen anderer anwenden, ohne in den Genuß zu kommen, es sich anzueignen oder gar kritisch zu hinterfragen.

Kein Wunder, daß die Person, die in meinem Beispiel eine so üble Behandlung erfährt, manchmal den Konflikt noch anheizt, indem sie völlig ungeeignete Mittel einsetzt, um damit umzugehen.

Und wenn man mit einbezieht, daß es auch sehr von der Umgebung abhängt, wie sich ein Konflikt entwickelt, dann schlägt die weit verbreitete Unwissenheit in Multiplikation zu Buche.

Mit Sicherheit entstehen Konflikte auch allein deshalb, weil die Beteiligten zu dämlich sind nie gelernt haben, mit unterschiedlichen Zielen, Interessen, Wertvorstellungen umzugehen.

Comic: "Zwei Döner bitte." - "Für mich mit Schafskäse." - "Bist Du einer von DENEN?!?" - "Ich esse kein Fleisch, falls du das meinst." - "Och NÖ! Ich versteh schon. Die ARMEN Tiere. Wir Fleischesser sind MÖRDER und ihr seid was Besseres. Und von Fleisch kriegt man Krebs & Bananen machen unsterblich. Ja nee, is klar. Veruch nicht, mich zu bkehren. Is der Kreislauf des Lebens, also komm mir nicht mit Moralkeulen. Weißte was? Lassen wir das Thema. Ihr Veggies fangt da jedes Mal Streit an... schlimm."
Comic von islieb.de, Lizenz

Und diese Konflikte sind es, die man bearbeiten kann, indem man den Beteiligten verklickert, daß zu einem Konflikt zwei dazugehören. Bei allen anderen tut man damit einer Partei schweres Unrecht.

Wieso also ein Bild von Konflikten verbreiten, welches automatisch dazu führt, daß man in vielen Fällen einer Konfliktpartei Unrecht tut?

Oh, es gibt dafür Gründe.

Denn wenn ich jetzt jemand wäre, die andere schlägt, bloß um zu beweisen, daß man Konflikte auch einseitig erzwingen kann, dann würde man ja besser einen großen Bogen um mich machen. Da hätte dann auch keine mehr Bock, sich mit mir auseinanderzusetzen, und es schiene irgendwie eher opportun, sich auf die andere Person zu konzentrieren, die ja auch eher ein Interesse hätte als ich, den Konflikt zu beenden, in welchem sie ja ehrlich gesagt ziemlich die Arschkarte hat.

Und wenn man jetzt so einer Person zu verklickern versucht, daß sie andere nicht zu schlagen hat, dann würde man ja womöglich selber auch noch was abkriegen! Das geht nun wirklich nicht.

Mit anderen Worten: Man macht es sich leicht, weicht einem eigenen Engagement aus und streckt nicht den Kopf raus.

(Ich kenne das von mir selbst, sonst würde ich nie kapieren, wie es dazu kommt.)

Wo es so einfach wäre, diesen Blubbs durch einen zu ersetzen, der präziser ist und diesen Nachteil nicht hat: Zum Frieden halten gehören zwei. Mit Interessengegensätzen konstruktiv umzugehen, dazu gehören zwei.

Das kann die Person nicht alleine, die ich in dem Beispiel geschlagen habe.

Das kann man auch mal an einem realen Beispiel durchspielen: Im Jobcenter, und auch außerhalb davon, gelte ich als eine, die „auf Konflikt geht“.
(Wenn es darum geht, jemandem eins reinzuwürgen und der Person die Schuld daran zuzuweisen, geht das nämlich plötzlich ohne Weiteres, daß eine Person einseitig einen Konflikt erzeugt.)

In dieser Situation sehe ich zwei mögliche Richtungen, um mich mit dieser Behauptung auseinanderzusetzen: Ich kann hinterfragen, von wem der Konflikt ausgeht, oder ich kann behaupten, daß keine Partei alleine einen Konflikt erzeugen kann und da zwei Seiten dran beteiligt sind.

Würde ich sagen: „Moment mal, zu einem Konflikt gehören zwei, das Jobcenter ist auch beteiligt!“ hätte ich womöglich Chancen, irgendwen dafür zu interessieren, weil der Blubbs so weit verbreitet ist.

Ich müßte bloß die Sache verzerrt darstellen und so tun, als wäre ich selbst zu gleichen Teilen mit schuld an der Situation, ich müßte es anerkennen, daß es der Job des Jobcenters ist, meine Grundrechte zu beschneiden, und darauf verzichten, diesen Konflikt um meine Grundrechte zu benennen oder gar auszutragen, der vom Jobcenter an mich herangetragen wird.

(Überraschung, genau das wollte das Jobcenter von mir, in Form einer Mediation statt eines Gerichtsverfahrens, und wurde darin vom Sozialgericht unterstützt. Und da ich lieber Rechte wollte, bin ich jetzt erst recht an allem schuld, weil ich ja keine Mediation wollte.)

In Wirklichkeit ist das aber nicht die Funktion der Behauptung, daß zu einem Konflikt zwei gehören, sondern die Funktion ist im Gegenteil: Der Blubbs soll legitimieren, daß man sich eine Konfliktpartei aussuchen kann, opportunerweise natürlich die Schwächere, der man dann zuweist, daß sie den Konflikt einseitig beilegen muß, weil die andere Seite schließlich nicht ohne deren Mithilfe einen Konflikt haben kann.

Stockphoto: Ein Schachbrett mit ein paar weißen und schwarzen Figuren

Im ersten Fall, wenn ich also sage, daß das Jobcenter mir einen Konflikt aufzwingt, auf dieselbe Weise, wie es das auch mit allen anderen macht, müßte ich eine Menge Leute, die vom Jobcenter routinemäßig bedroht und in ihren Lebensmöglichkeiten und Grundrechten angegriffen werden, davon überzeugen, dies als Angriff wahrzunehmen und sich selbst als angegriffen und relativ machtlos.

Außerdem müßte ich sie überzeugen, daß sie andere Menschen an der Repression des Jobcenters leiden sehen und nicht daran, daß diese sich selber ungeschickt verhalten und damit diese Repression selbst erzeugen. Gegen das eine kann man als dritte Partei wenig machen, gegen das andere vermeintlich schon. So wird an die Betroffenen hingearbeitet, statt sie in einem Konflikt zu unterstützen, den sie gar nicht haben wollen, der ihnen aber aufgezwungen wird.

Ich habe mal darüber geschrieben, auf welcher Eskalationsstufe das Jobcenter schon von vorneherein einsteigt, lest das mal.

Wenn jetzt die im Jobcenter mit dem Finger auf mich zeigen und behaupten, ich sei es, die „auf Konflikt geht“, ist das eine Sache. Eine ganz andere ist es, wenn das auch außerhalb des Jobcenters unter Erwerbslosen so läuft. Auf diese Art ist es gar nicht möglich, zu erfassen, was überhaupt Sache ist, geschweige denn, sich sinnvoll damit auseinanderzusetzen.

Daß es auf ganz breiter Front gar nicht möglich ist, offen zu besprechen, daß die Jobcenter die Erwerbslosen in ihren grundlegendsten Bedürfnissen und Rechten angreifen und so Konflikte erzwingen, ist ein Faktor, der dies ermöglicht.

Früher hätte man gesagt, Erwerbslose seien „nicht satisfaktionsfähig“.

Und das erinnert mich an eine andere Sache, die ich letztens erlebt habe.

Ich habe an einer Blogparade teilgenommen, sie hieß „Schreiben gegen Rechts“. Die gut 80 Beiträge hat die Initiatorin dann in einem Ebook zusammengefaßt.

Ein nicht unerheblicher Teil der Beiträge befaßte sich überhaupt nicht mit Rechtsextremismus oder Rassismus, sondern mit Geflüchteten.

Es ist auch überhaupt nichts dagegen einzuwenden, wenn man darüber schreibt, wie konkret mit Geflüchteten und mit Menschen überhaupt umzugehen ist. Oder über das große ehrenamtliche Engagement.

Was mir aber aufgefallen ist, daß das alles als „gegen Rechts“ eingeordnet wurde. Als würde man einen zweiseitigen Konflikt implizieren, welchen man bearbeitet, indem man irgendwie mit der einen Konfliktpartei zu tun hat und dieser irgendwas Gutes tut. In denjenigen Beiträgen, auf die ich mich beziehe, sind überhaupt keine rechten Gruppen, Personen oder Einstellungen vorgekommen.

Das hat auch niemand kommentiert.

Es hat jetzt auch niemand davon gesprochen, daß zu einem Konflikt zwei gehören oder so.

Aber wenn Leute angegriffen werden, und man sich damit auseinandersetzt („gegen Rechts“), indem man den Angriff und die Angreifer völlig ignoriert und an diejenigen irgenwie hinarbeitet, die angegriffen werden, sehe ich ein Muster.

Die Frage, was man jetzt mit dem Thema Rechtsterrorismus machen soll, wird dabei nichtmal gestreift.

Sich eingraben und auf die Alliierten warten? Das kann noch ne Weile dauern.

Es ist richtig, sich für Geflüchtete zu engagieren. Es ist aber eine Projektion, an Geflüchteten eine Ersatzbefriedigung für ein eigenes Engagement gegen Rechts abzuarbeiten. Geflüchtete werden zum Ziel rechter Gewalt und von Rassismus, übrigens auch durch den Staat, wenn es um die Gesetzgebung geht, um Abschiebungen und internationale Kuhhändel.

Und wer Geflüchtete dagegen in Schutz nehmen will, oder wer gar aus Eigenem etwas gegen Rechtsextremismus hat, hat in der Sache einen Konflikt mit Rechtsextremen und mit der Bundesregierung.

Und dazu, selber anzuerkennen, daß man in einem Konflikt steht, sind offenbar viele nicht bereit. Buchstäblich um’s Verrecken nicht. Solange andere verrecken.

Zusammenfassung: Einen Konflikt kann man auch einseitig erzwingen, zum Frieden machen gehören immer zwei. Eigentlich drei, denn die Umgebung spielt eine große Rolle.

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* Den Konflikt zu internalisieren, bedeutet in dem Fall, daß die Person Streß mit sich selber hat, weil sie sich von mir hat schlagen lassen. Der Konflikt ist nicht verschwunden, sondern hat sich in die Innenwelt der angegriffenen Person verlagert, wo sie ihn mit sich selbst ausfechten kann.

Update: Twitter sagt es natürlich wieder viel kürzer

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